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Die
Glocke von Buphever im Klang der Heimatgeschichte
Ein kleiner Beitrag zur großen
Geschichte Alt-Nordstrands
Der Untergang des alten Strandes
in den Sturmfluten des 14. Jahrhunderts ist im Geschichtsbewußtsein
unserer nordfriesischen Heimat stets gegenwärtig geblieben.
Die Datierung der schlimmsten Fluten mit den Jahreszahlen 1300 und
1362, ihre Bezeichnung mit dem Wort ‘Manndrenke’ und
der mythische Zauber des Verlustes von Rungholt haben sogar die
poetischen und musischen Menschen der Neuzeit inspiriert. Viele
sind mit Liliencron in Gedanken „über Rungholt gefahren“
oder haben das wehmütige Lied der Gruppe Godewind über
die „Glocken von Rungholt“ mitgesungen.
Keine andere Region Schleswig-Holsteins ist von der Attraktion der
Vergangenheit wohl so stark geprägt wie die Uthlande Nordfrieslands.
Und der gewaltige Todesstoß, der Alt-Nordstrand in der Oktoberflut
1634 traf, hat diesen Reiz, die eigene Geschichte nicht in einer
Flut des Vergessens untergehen zu lassen, auf den nordfriesischen
Inseln und Halligen noch gesteigert. Nicht nur die Bewohner der
von den Sturmfluten übrig gelassenen Reste eines einst großen
und reichen Marschengebietes im Herzen des Wattenmeeres sind von
der eigenen Geschichte fasziniert, sondern in hohem Maße auch
die interessierten Urlauber, wie es beispielsweise die jährliche
Pellwormer ‘Rungholtwoche’ zeigt. Die Kirchengemeinde
Hooges und ihr Halligpastor können ‘ein Lied davon singen’,
mit welcher Aufmerksamkeit und großem Wissensdurst Tausende
Menschen vom Festland jährlich die Kirchwarft und die kleine
Halligkirche besuchen. Den Spuren im Watt, die Andreas Busch auf
Nordstrand fand, waren Landesarchäologen und frühere Heimatforscher
vorausgegangen oder gefolgt. Sie legten darüber ihre wissenschaftlichen
Berichte vor. Und im Bereich Pellworms laufen viele Touristen mit
Hellmut Bahnsen hinaus, um die Kulturspuren vergangener Zeiten zu
finden. Manchmal verschwinden die Erkenntnisse der Wissenschaft
hinter allzu großer Phantasie und Fiktion, wie es Prof. Hans-Peter
Dürr vorgeworfen wird, wenn er mit seinen Studenten auf einem
Küstenewer wieder einmal im Gebiet Südfalls eine spektakuläre
Exkursion auf der Suche nach Rungholt durchgeführt hat.
Wie steinerne Gleichnisse stehen da die Halligkirchen und Gotteshäuser
Nordstrands und Pellworms auf ihren Warften und erzählen mitten
in unsere Gegenwart hinein von unserer historischen Verbindung mit
den Generationen vor uns. Diese sakralen Bauten mahnen uns zur Bewahrung
unserer gefährdeten Identität, zum Erhalt unserer kleinen
Kirchengemeinden und ihrer pastoralen Versorgung und sind Halt und
Trost in den Fluten von heute.
Nach der Flut von 1634 gingen in den darauf folgenden wenigen Jahren
allein auf Alt-Nordstrand so große Landgebiete verloren, daß
auch 18 von (im Jahre 1634) 21 Inselkirchen ausgedeicht und zum
Teil abgerissen wurden. Die Kunstgegenstände, mit denen diese
Kirchen ausgestattet waren, wurden häufig verkauft und finden
sich heute in anderen Kirchen oder Museen.
Unweit des heutigen Pellworms lag einst das Kirchspiel Buphever.
Anton Heimreich berichtet über die Vorgeschichte dieses Gebietes
in seiner nordfresischen Chronik (3. Aufl. Erster Theil, S. 186):
„Heverdam, von der dabey laufenden Hever also genannt, so
gleichfalls A. 1300 inundiret, und weiln der Hever dazumal nicht
wieder können überdeichet werden, als ist der Theil, so
von diesem Kirchspiel eingedeichet worden, hernach Bophever gleichsam
boven oder über der Hever genannt, und ist daselbst die Kirche
A. 1499 erbauet worden. Diese Kirche hat S. Laurentii Bild im Insiegel
geführet, und weiland des H. Kreuzes und unserer lieben Frauen
Lehn gehabt.“ Buphever wurde 1634 schwer getroffen. Der Chronist
führt für Buphever allein 340 Ertrunkene auf und die völlige
Zerstörung von 90 Häusern, zwei Mühlen und des Glockenturmes
an (Zweiter Theil, S. 148.). Das Ausmaß der Zerstörungen
war auch andernorts riesig. Ein im heutigen Landesarchiv in Schleswig
aufbewahrtes Verzeichnis der Opfer der Flut von 1634 (LAS Abt. 7
Nr. 3119) ist möglicherweise von Anton Heimreichs Vater Johannes
Heimreich angelegt worden und nennt zuerst diese o.a. Zahlen, führt
jedoch dazu aber auch die erhaltenen 30 Häuser und 7 Katen
an, so daß der Prozentsatz der Zerstörung Bubhevers mit
etwa 70 % zu ermitteln ist. Die Taufe der nicht unbedeutenden Kirche
von Buphever kam bekanntermaßen nach dem Abriß des Gotteshauses
in die Alte Kirche zu Pellworm.
Daß die Buphever-Glocke um 1640 in Folge der endgültigen
Aufgabe des Kirchspiels nach Eiderstedt in das Kirchspiel Osterhever
gelangte, geriet bald in Vergessenheit. 1908 verkaufte der dortige
Kirchenvorstand diese Glocke für 939,60 Mark an das gerade
1903 gegründete Kunstgewerbemuseum in Flensburg, dem späteren
Städtischen Museum Flensburgs mit dem heutigen Namen ‘Museumsberg
Flensburg’.
Diese namhafte kulturelle Einrichtung Schleswig-Holsteins geht auf
den Möbelfabrikanten, Restaurator und Innenarchitekten Heinrich
Sauermann (1842-1904) zurück, der von 1901 bis 1902 in unserem
Landesteil Schleswig über 30 Reisen u.a. in die ländlichen
Kirchengemeinden unternahm, um kirchliche Kunstgegenstände
zu sichten, die von einem direkten Verlust oder Verfall vor Ort
bedroht waren. Ohne seine Initiative und Durchführung wären
zahlreiche sakrale Kunstdenkmäler des früheren Herzogtums
Schleswig wohl für immer verloren gegangen. Die von ihm begründete
Sammlung kirchlicher Kunst unserer Region ist so einzigartig, daß
sie zusammen mit den in unseren Kirchen noch vorhandenen Kunstschätzen
einen Einblick in die Kunst- und Kirchengeschichte unserer Heimat
reichhaltig vervollständigt.
Sauermanns Sohn folgte seinem Vater im Amt des Flensburger Museumsdirektors
und setzte dessen Arbeit zunächst in Flensburg fort. Unter
der Federführung dieses Mannes, Prof. Dr. Ernst Sauermann (1880-1956),
dem später langjährigen Direktor des Schleswig-Holsteinischen
Landesmuseums und Provinzialkonservator Schleswig-Holsteins, kam
schließlich die Glocke von Buphever über Osterhever nach
Flensburg, wo sie heute immer noch verwahrt und ausgestellt wird
(Inv. Nr. 6042).
Diese Kirchenglocke aus Bronze hat eine Höhe von 117 cm, einen
unteren Durchmesser von 113 cm und das stattliche Gewicht von 783
kg. Sie wurde von dem bekannten Flensburger Künstler und Gießer
Michael Dibler (gest. 1593) im Jahre 1562 für die Kirche von
Buphever gegossen. 27 Glocken Diblers aus der Zeit von 1560 bis
1592 sind noch heute zu finden, die berühmten Taufbecken des
Flensburger Künstlers stehen in der Kirche St. Nikolai in Eckernförde
und in der St. Marien Kirche Flensburgs. Dibler war einer der wichtigsten
Gießer der Renaissance. In die Glocke von Buphever, eines
seiner frühen Werke, goß er die Namen der Stifter mit
folgenden Worten, die bis heute zu lesen sind und eine historische
Einordnung in die Landesgeschichte sowie einen Blick in die Geschichte
Alt-Nordstrands des 16. Jahrhunderts ermöglichen:
„IN DEM NAMEN JHESUS, HEFT FORSTLIKE GENADE, HERTOCH HANS,
VNDE MESTER JVRGEN BOHSEN, HOFPREDIGER VNDE HER PETER MARTSEN, VNDE
KARCK-SVAREN, PENNE PETERSEN, NIS EPSEN, ETLEF SIVERSEN, LANGE PETERHAN
SEN IM KARSPEL TO BVBHEVER, DVSSE KLOCKE GETEN LATEN, BI MICHAEL
DIBELER TO FLENSBORCH, ANNO 1562.“
Eine historische ‘Entschlüsselung’ dieser in der
Umschrift der Glocke von Buphever aufgeführten Personen läßt
klar und deutlich die überregionalen und regionalen Klänge
der Geschichte des Herzogtums Schleswig und Alt-Nordstrands hör-
und verstehbar werden. Auch ohne den Anschlag des Klöppels
auf die bronzene Wandung vernehmen wir den Schall der Geschichte
unserer Heimat über eine Zeitspanne von viereinhalb Jahrhunderten
hinweg. Und ganz ohne fiktive oder phantastische Anstrengung erhalten
wir präzise Angaben über die damalige Landesherrschaft,
die kirchliche und politische Verwaltung des Herzogtums und Alt-Nordstrands,
den Deichbau, die Landgewinnung, die Rechtsverhältnisse und
das Schulleben in der Mitte des 16. Jahrhunderts.
Der erste Glockenstifter, FORSTLIKE GENADE, HERTOCH HANS, ist ohne
Zweifel Hans (Johann) der Ältere (1521-1580), Herzog von Schleswig-Holstein-Hadersleben,
der als Sohn von Friedrich I., König von Dänemark, und
dessen zweiter Ehefrau Sophie von Pommern zur Welt kam. Prinz Hans
wurde zunächst zum Thronfolger erzogen, u.a. von Geistlichen,
die sich bereits zur Reformation bekannten. Sechs Jahre seiner Jugend
lebte er in Königsberg bei seinem Schwager Herzog Albrecht
von Preußen und lernte dort die preußische Verwaltung
grundlegend kennen. 1544 wurde das Herzogtum Schleswig schließlich
aufgeteilt unter seinem Bruder Christian III., Herzog Adolf und
ihm. So erhielt Herzog Hans als eigenen herzoglichen Anteil das
Törninglehn mit einem Teil Röms, die Ämter Hadersleben
und Tondern mit einem Anteil Sylts und Föhrs, Lügumkloster
und die Inseln Fehmarn und Alt-Nordstrand, weiter das Amt Rendsburg
und das Kloster Bordesholm sowie später einen Teil Dithmarschens.
Herzog Hans d. Ä. war also der Landesherr der Alt-Nordstrander
während der Zeit von 1544 bis zu seinem Tode 1580. Über
fast vier Jahrzehnte prägte er die politische, geistliche und
rechtliche Entwicklung seines herzoglichen Anteils. Von seinem Regierungssitz,
der von ihm errichteten Hansburg (Hansborch) bei Hadersleben, richtete
Herzog Hans die Verwaltung seines Anteils durchaus nach preußischem
Muster ein und beschäftigte sich intensiv mit dem Deichbau
in den Marschen seines Gebietes und namentlich auf Alt-Nordstrand.
Seine Engagement für die Schulausbildung und die sozialen Belange
seiner Untertanen bleibt für das gesamte Herzogtum unvergleichlich.
Die Haderslebener Gelehrtenschule Johanneum, das dortige Herzog-Hans-Spital
für die Armen und die hohe Bildungseinrichtung im Kloster Bordesholm,
das sog. ‘Pädagogium’ als Keimzelle der späteren
Christian-Albrechts-Universität in Kiel, sind nahezu unvergängliche
Zeugnisse für Herzog Hans’ umfangreiches Schaffen.
MESTER JVRGEN BOHSEN, HOFPREDIGER: den Magister Jürgen Boie
(15..-1569) hatte Hans bereits in jungen Jahren kennengelernt und
fortan außerordentlich gefördert. Jürgen Boie ist,
wie im 16. Jahrhundert üblich, auch unter den Namen Boje, Boysen
oder Georg Boethius verzeichnet. Sein Vater war Lorenz Boie (1484-1547),
der als Pastor in Wilstrup einer der ersten lutherischen Geistlichen
im Herzogtum Schleswig war. Jürgen Boie, dieser zweite Stifter
der Buphever-Glocke hatte in Wittenberg Theologie studiert und wurde
dort zu Lebzeiten Martin Luthers 1540 zum Magister promoviert. Er
war als Professor der Pädagogik an der Universität Kopenhagen
tätig und wurde auf Geheiß von Herzog Hans dessen Hofprediger,
Beichtvater und u.a. 1553 Propst von Alt-Nordstrand. Als solcher
war er zur Zeit der Glockenstiftung in Buphever der leitende Geistliche
und unter der Herrschaft von Herzog Hans an der rechtlichen und
kirchenrechtlichen Organisation Alt-Nordstrand unmittelbar beteiligt.
Herzog Hans besuchte mehrmals persönlich Alt-Nordstrand und
gab der damals bedeutenden nordfriesischen Insel das Nordstrander
Landrecht, das Spadelandsrecht sowie unter der Federführung
Jürgen Boies sogar eine eigene Kirchenordnung, welche das Kirchen-
und Schulwesen reformieren sollte. Boie verfaßte nicht nur
1555 die Nordstrander Kirchenordnung, sondern 1559 auch die für
Dithmarschen.
Im Sommer 1556 war Herzog Hans auf Alt-Nordstrand, um die Planung
einer Bedeichung im Süden der Pellwormharde zur Gewinnung eines
neuen Kooges, der zuerst der Verbesserung des Küstenschutzes
dienen sollte, vorzustellen. Auch in den Flutjahren zwischen 1570
und 1580 hält sich Herzog Hans auf der Insel auf und hält
z. B. vom 8. bis 10. September 1571 persönlich eine Deichschau
in Süden der Alten Kirche ab. In die Regierungszeit des Herzogs
fällt auch die um 1550/51 abgeschlossene Wiedervereinigung
der Pellwormharde mit Nordstrand durch die Bedeichung des Buphevering-
oder Norder Neuen Kooges. Und in seiner Chronik (Zweiter Theil,
S. 381) erwähnt Anton Heimreich sogar einen Plan des Herzogs
Hans, „daß man von Morsumfehre nach Hatstedte hinüber
deichen sollte, und also diese Insel wieder sollte landfest machen“.
Für den Chronisten Petreus blieb der Herzog „ein plegevader
der kercken und scholen“, der sich von der Ordnung der Reformation,
über das Landrecht bis zum Küstenschutz als wahrer „vader
des vaderlandes“, als guter Landesvater Alt-Nordstrands, gezeigt
hat (a. a. O. S. 100.) Auch das aus dem 16. Jahrhundert stammende
Wappen der Insel Alt-Nordstrand soll auf Herzog Hans zurückgehen.
Es zeigt Christus und läßt durchaus den Rückschluß
zu, welche kirchliche Bedeutung unserer Region in dieser Zeit vor
der Flut von 1634 noch zugemessen wurde.
Jürgen Boie war der erste gebürtige Schleswiger, der nach
der Reformation im Herzogtum ein führendes kirchliches Amt
erreichte. Zudem war er mit Sara Meiger verheiratet, deren Vater
Johann Meiger (14..-1561) u.a. in der Pellwormharde als Pastor der
Alten Kirche (1525) und erster lutherisch gesinnter Geistlicher
die Reformation vorbereitete und als Propst von Rendsburg dort durchführte.
Boie war einer der wichtigsten Berater des Herzogs Hans d. Ä.
und visitierte mehrfach Alt-Nordstrand.
Die Planung des Nordstrander Landrechtes wurde jedoch auch von den
politisch Verantwortlichen der Insel vorbereitet. Johannes Petreus
(1530-1605), der in dieser Zeit (von 1565-1605) Pastor von Odenbüll
war, hat als Zeitgenosse nicht nur diese weltliche und kirchliche
Rechtsentwicklung und die Mitwirkung von Herzog Hans und Jürgen
Boie festgehalten, sondern nennt auch die Namen der nordfriesischen
Ratleute, welche an der Übergabe und Konfirmation des Nordstrander
Landrechts in der Zeit von 1567 bis 1572 maßgeblich beteiligt
waren. Und Petreius überliefert wie „des lands gesandten
... Benne Peterßen [und] Edleff Siverssen“ wegen der
Bewilligung des Landrechtes durch Herzog Hans eine verantwortliche
und vermittelnde Rolle für Alt-Nordstrand wahrnahmen (vgl.
Johannes Petreius’ Schriften über Nordstrand, hrsg. v.
Reimer Hansen, Kiel 1901, S. 168). Diese beiden Männer sind
zweifellos die auf der Umschrift der Buphever-Glocke aufgeführten
PENNE PETERSEN und ETLEF SIVERSEN. Auch der auf der Glocke genannte
NIS EPSEN ist bei dem Odenbüller Chronisten als Bürger
von Buphever (S. 210) aufgeführt. Über LANGE PETER HANSEN
konnte bis jetzt nichts erfahren werden, aber der erwähnte
HER PETER MARTSEN, der direkt dem Hofprediger Boie auf der Umschrift
folgt, ist, wie es die zeitübliche Bezeichnung HER (=Herr)
ausweist, Pastor. Gemeint ist der damalige Pastor der Neuen Kirche
Petrus Martini (gest. 1576) oder Peter Martensen/Martzen/Martini,
der bis 1565 – also in der Zeit der Stiftung der Buphever-Glocke
– Pastor der Neuen Kirche zu Pellworm war. Auch ihn erwähnt
der Zeitgenosse Petreus (S. 40). Wahrscheinlich war Peter Martensen
schon zu der Zeit im Amt der Neuen Kirche, als den zur Alten Kirche
gehörenden Einwohnern am 21. Juli 1556 von Herzog Hans eine
Urkunde ausgestellt wurde, vor materiellen Verpflichtungen der neuen
Gemeinde befreit zu sein. Der Herzog hatte im übrigen den Einwohnern
1547 die Alte Kirche für 1000 Mark lübsch verkauft.
Herzog Hans d. Ä., dessen Hofprediger und Propst Jürgen
Boie, Pastor Peter Martensen, die wichtigen Politiker und Kirchengeschworenen
Benne Petersen und Etlef Siversen sowie zwei weitere bestimmt auch
einflußreiche Inselbewohner stifteten der Kirche zu Buphever
im Jahr 1562 eine wertvolle Glocke, die auf die lange Reise der
Geschichte Alt-Nordstrands und des damaligen Haderslebener Anteils
ging. Die Werkstatt Diblers in Flensburg, Buphever, Osterhever und
der Museumsberg der Stadt Flensburg: das waren die Stationen unserer
Glocke. Der Kreis der Vergangenheit schien sich 1908 beim letzten
Verkauf der Glocke geschlossen zu haben, aber der Nachhall dieser
Glockengeschichte soll nicht ungehört bleiben bei uns auf den
Halligen und Inseln am Anfang des Jahres 2004, in dem unser Bupheverkoog
auf die 65 Jahre seines Bestehens zurückblicken darf.
Manfred Karl Adam
Friesen-Fliesen
Reste niederländischen Wandschmucks aus dem ‘alten’
Pastorat
Es ist kein Geheimnis, daß die großen Häuser Pellworms
in früherer Zeit mit vielen Erzeugnissen aus Kunst und Handwerk
reich ausgestattet waren. Die Stuben und Wohnzimmer auf den Inseln
und Halligen Nordfrieslands, Döns und Pesel längst vergangener
Jahre mit ihren Täfelungen, geschnitzten Türen, ausgeschmückten
Wandbetten, Truhen und Schränken zeugten vom damaligen Wohlstand
mancher nordfriesischer Bauern und Kapitäne. Der Hof der Familie
Schulze und der Königspesel auf der Hallig Hooge gehören
bis heute zu den wenigen noch in Nordfriesland vorhandenen Zeugen
solcher Ausstattungen, die den baulichen Veränderungen standhielten
und uns überliefern, wie die Höfe und Häuser früherer
Jahrhunderte eingerichtet waren. Wer sich heute von der früheren
Wohnkultur seiner nordfriesischen Heimat einen Eindruck verschaffen
will, muß sich oft auf eine längere Reise gefaßt
machen. Museen in Flensburg, Husum, Altona oder Nürnberg zeigen
interessierten Besuchern sozusagen die kulturellen Überbleibsel
aus der Vergangenheit der schleswig-holsteinischen Westküste.
Ab und zu hören Pellwormer verwundert, daß sich Wandfliesen
oder Alkoventüren in irgendeinem modernen Haus einer deutschen
Großstadt eingefunden haben. Und auch auf dem teuren Pflaster
des Kunst- und Antiquitätenmarktes tauchen Reste ehemaliger
friesischer Wohnungseinrichtungen auf.
Ein altes lateinisches Sprichwort lautet: „tempora mutantur
nos et mutantur in illis. Die Zeiten verändern sich, und wir
verändern uns in ihnen.“ Wie wahr sind diese Worte z.
B. für die Vergangenheit unseres Pastorates bei der Alten Kirche,
dessen Geschichte Pastor Gustav Dührkop (1852-1933) in dem
handgeschriebenen Buch „Kirchliche Chronik der Alten Kirche
auf Pellworm angefangen 1887“ aufzeichnete (S. 27 ff). Von
1882 bis 1888 war Dührkop Pastor der Alten Kirche und erinnerte
sich an die Baugeschichte des historischen Gebäudes: „Die
Predigerwohnung. Sie ward nach der Deicheinlage (Fluth v. 11. Dezb
1792 u. v. 3. März 1793) inf. 1793, in welches Jahr auch der
Tod des Compastors Elbinger fiel, und nach der Vereinigung beider
Pastorate 1795 an Stelle des Hauptpastorathauses 1796 aufgeführt
in der noch heute vorhandenen äußeren Gestalt, nämlich
in der friesischen Bauart als die Ziffer 7, dergestalt, daß
Wohn- und Stallräume unter einem Dache waren. Rechts vom Flur
nach dem Eintritt durch die Haustür, lagen und liegen noch
4 Zimmer u. die Küche, grade vor dem Eintretenden 1 kleine
nach Norden belegene Stube, die seit 1887 2 Fenster anstatt des
früheren einen erhalten hat, und links vom Eintretenden die
2 Fach große Studierstube, neben welcher die Knechtskammer,
1 Fach groß, sich befand. Zu P[astor] Flor’s Zeit [Flor
war von 1869 bis 1874 Pastor der Alten Kirche, Anm. d. Verf.] ist
letztere mit dem Studierzimmer durch Niederlegen der Scherwand vereinigt
und letzteres traulich u. gemüthlich geworden. Neben der Knechtskammer
nach Westen zu lag bis zu P[astor] Bernhard’s Zeit [von 1875
bis 1882 Pastor der Alten Kirche, Anm. d. Verf.] der Stallraum für
die Milchkühe. Zu P Bernhard’s Zeit ist aber hieraus
ein schönes 3 fachiges Zimmer, das sogen. Westerzimmer, geworden,
wie unter ihm auch die Waschküche, an Stelle des früheren
Pferdestalles, angelegt ist.“
Das Pastorat der Alten Kirche hat als Gebäude keine lange Lebensdauer
gehabt und wurde durch einen 1960 fertiggstellten Neubau ersetzt.
Der Abbruch dieses kirchlichen Friesenhauses geschah während
der Dienstzeit von Pastor lic. theol. Dr. Johann Haar (1904-1976).
Einige Nachbarn wie die Familien Jansen, Clausen und Levsen und
der Handwerker Boy-Ludwig Petersen können bis heute davon berichten,
daß aus dem Bauschutt die Zufahrt zum Pastorat geschüttet
wurde, Teile des kurz vor dem Abriß neugedeckten Reetdaches
zur Neueindeckung anderer Häuser gebraucht wurden und mancher
uralte Eichenbalken in einem Stallraum eines Hofes Verwendung fand.
Vom früheren Pastorat der Alten Kirche sind die letzten Spuren
vergangen. Lediglich Fotografien früherer Jahrzehnte und die
Erinnerung älterer Pellwormerinnen und Pellwormer können
noch von dem damals zwar renovierungsbedürftigen, aber stattlichen
Pastorat Zeugnis geben.
Pastor Haar hatte – wohl beim Abbruch – den ihm bekannten
Kunstmaler Christian Struckmann (1889-1993) auf niederländische
Fliesen in irgendeinem Raum des Hauses aufmerksam gemacht. Struckmann
hat diese beim Abriß aufgesammelt, in Gips eingegossen und
gerahmt bis zu seinem Lebensende verwahrt. Nun hat der Verfasser
dieses Berichtes aus dem Nachlaß des Künstlers persönlich
zwölf Fliesen angekauft.
Zunächst war Skepsis angesagt, ob die Fliesen wirklich aus
dem Pastorat Alte Kirche stammen. Aber eine Nachfrage bei dem langjährigen
Kirchenvorsteher und Nachbarn des Pfarrhauses Julius Jansen und
bei Frau Wiebke Daniel, geb. Hansen, der Tocher des Pastors der
Alten Kirche Friedrich Hansen (1891-1956) und Enkelin des Pastors
der Alten Kirche Heinrich Hansen (1861-1940) bestätigte den
Sachverhalt. Die zwölf in rötlich-braunem Mangan bemalten
Wandfliesen stammen in der Erinnerung beider Zeitzeugen aus der
früheren Küche des alten Pastorates im Westen unserer
Insel.
Sie wurden etwa in der Mitte des 19. Jahrhunderts in den Niederlanden
(Delft, Makkum, Harlingen etc.) gefertigt. Sechs Fliesen in kleinem
Zweifachkreis und mit dem Eckmotiv ‘Spinne’ zeigen folgende
Landschaftsszenen: Burg mit Schiffen, Mühle mit Schiffen, großes
Haus sowie Bilder eines Hirten, eines Brunnens und eines Anglers.
Die sechs weiteren erhaltenen Fliesen weisen biblische Bilder in
großem Zweifachkreis mit dem Eckmotiv ‘Ochsenkopf’
auf: Mose und die Zehn Gebote (2. Mose), Jesus und die Ehebrecherin
(Johannes 8), die Auferweckung des Lazarus (Johannes 11), vom Richtgeist
und dem Splitter im Auge des anderen (Matthäus 7), Salome und
Herodes (Markus 6) und Zachäus (Lukas 19).
Zwölf Fliesen des früheren Pastorates der Alten Kirche
sind wieder auf Pellworm. Sie erinnern als Bruchstücke vergangener
Jahrzehnte und Jahrhunderte an die Bau- und Kulturgeschichte unserer
Heimat. Irgendwann, vielleicht beim nächsten Umbau oder bei
einer Erneuerung einer Mauer, wird der Verfasser dieser Zeilen die
wenigen erhaltenen Fliesen wieder in eine Wand des Pastorates der
Alten Kirche einlassen.
Manfred Karl Adam
Zur Geschichte Pellworms
Ein kleiner Papierbogen – das älteste Aktenstück
aus unserem Kirchenarchiv. Eine kurzes Dokument aus dem Ende des
17. Jahrhunderts gibt – unter Heranziehung landesgeschichtlicher
Literatur – zahlreiche Hinweise und Nachrichten zur Geschichte
Pellworms und Schleswigs. Ein Steinchen eines historischen Mosaiks,
das auf unserer Insel im Archiv der Pellwormer Kirchengemeinde sorgsam
verwahrt wird, führt den Suchenden zu weiteren Teilstücken
eines größeren Bildes innerhalb unserer Heimat- und Landesgeschichte.
Es handelt sich bei dem kleinen Aktenstück um eine Hochzeitsbürgschaft
aus dem Jahr 1697, die Peter Harßen für Christian Nommensen
ausstellte:
„Demnach Christian Nommensen aus Norwegen zu Ostrieß
bürtig, sich alhier in Pielworm zu verehelichen gedenket die
HH Pastores aber Sicherheit halber Bürgen verlangen, daß
er vorhin keine andere geheyrahtet habe, So verpflichte ich Peter
Harsen mich hiermit und in Kraft dieses daß ich dieserwegen
mich bürglich einlaßen und vor alle daraus endtstehende
und besorgende Angelegenheiten, der Obrigkeit, und ßonsten,
wo es nöhtig seyn magk, gerecht werden wolle, bey Verpfändung
meiner Gütter. Uhrkundlich meiner eigenhändigen Unterschrift.
Pilworm, den 29. May Anno 1697. Peter Harßen.“
Anhand dieser kleinen Nachricht, dem wohl ältesten Dokument
im Kirchenarchiv Pellworms, soll einmal beispielhaft gezeigt werden,
wie viel wir durch diese wenigen Sätze aus dem Jahr 1697 historisch
erfahren können.
Der angeführte Christian Nommensen stammte wohl aus dem Ostteil
des Ortes Ris(e) in der Risharde, die nordwestlich von Apenrade
liegt und zur Apenrader- und Lügumkloster-Propstei gehörte.
Ein Norweger war Christian Nommensen auf keinen Fall, was allein
schon aus seinem Nachnamen zu schließen ist. Den Namen der
Pellwormer Braut erfahren wir aus Peter Harßens Bürgschaft
nicht.
Aber eine Spurensuche in dem 1966 erschienenen Werk von Thomas Otto
Achelis über die „Matrikel der Schleswigschen Studenten
1517-1864“ verweist unter der Nummer 3844 auf einen Christianus
Numsen, der 1697 in Kopenhagen studierte und dessen Herkunft in
der Einschreibliste der nordischen Universität mit dem Ort
Flensburg angegeben ist. Christian Nommensen aus Ris hat möglicherweise
in Flensburg die im 16. Jahrhundert gegründete Lateinschule
besucht. Auf dieser Lehranstalt wurden viele zukünftige Pastoren
für die Herzogtümer ausgebildet, die nach dem Besuch der
Flensburger Lateinschule an namhaften Universitäten ihr Theologiestudium
aufnahmen. Er hatte in Wittenberg (1692), Leipzig und Kopenhagen
wohl Theologie studiert und starb am 2. Dezember 1698 in Kopenhagen.
Daß er aus Kopenhagen 1697 zur Hochzeit nach Pellworm kam,
hatte vielleicht Peter Harßen zu der Herkunftsbezeichnung
„aus Norwegen“ veranlaßt. Dies bleibt aber nur
eine vage Vermutung.
Der Vater Christianus Numsens könnte der 1720 verstorbene Apotheker
Christian Lorentz Nummensen sein, wie es Achelis‚ in seinem
o.a. Werk vermutet. Dann hätte die Familie bereits am Ende
des 17. Jahrhunderts die patronymische Namensgebung aufgegeben und
sich durchgehend Nummensen (Nommensen, Numenius‚ Numsen etc.)
genannt. Der Name Nommensen weist klar auf eine friesische Herkunft
der Familie hin, und es ist durchaus denkbar, daß der Vater
Christianus Numsens oder dessen Vorfahren aus Nordfriesland stammten.
Trifft diese familiäre Verbindung zu, wird auch Peter Harßen,
der Autor der kleinen Hochzeitsbürgschaft, davon gewußt
haben. Zudem gehörten Christianus Numsen und Peter Harßen
einer Generation an.
Wer war dieser Peter Harßen? In der Geschichte unserer Insel
gibt es mehrere gleichnamige und einflußreiche Pellwormer
Persönlichkeiten, die unterschieden werden müssen. Daß
die Schreibweise des Namens Harsen, Harrsen oder Harßen manchmal
in einer Urkunde bei ein und derselben Person wechselt, ist im 17.
und 18. Jahrhundert nicht selten. Gleiches gilt für die Latinisierung
von Peter zu Petrus. Möglicherweise hat auch die Familie Harßen
die patronymische Namensgebung bereits im 16. Jahrhundert aufgegeben
und Harßen schon als Familiennamen im 16. Jahrhundert geführt.
Der erste der drei historischen Persönlichkeiten gleichen Namens
ist der Deichgraf Peter Harsen, der von 1654 bis 1663 erster Ratmann
Pellworms war und als Küstenschützer und Politiker der
wichtigste Verantwortliche für die Wiedereindeichung der Pellwormharde
nach der Flut von 1634 war. Er starb kurz nach Beendigung seiner
Amtszeit um 1665. Dieser einflußreiche Mann stiftete mit seiner
Familie 1624 die Gemälde in den Rundbogenfeldern der Kanzel
in der Alten Kirche. Auf ihr findet sich die Inschrift: „In
gloriam altissimae trinitatis sugestum hoc pingi curabant filii
et ge(n)ner Harre Bandickse(n)s Broder Harsen aetatis 34 placidi
mortuus 1621 Leve Edlefsen, Ocke Harsen, Kanut Harsen Petr. Harsen,
Bandick Harsen, et Hans Harsen Anno 1624“. (Zur Ehre der allerhöchsten
Dreieinigkeit sorgten dafür, daß diese Kanzel bemalt
wurde, die Söhne und der Schwiegersohn Harre Bandicksens Broder
Harsen, der mit 34 Jahren 1621 milde starb usw.).
Von 1675 bis 1690 verzeichnet die Liste der Pellwormer Ratleute
einen weiteren großen Landbesitzer und Ratmann namens Peter
Harsen, der sich auf der Stiftertafel der Arp-Schnitger-Orgel von
1711 als „s= He= Peter Harsen Rathm=.“ findet. Der Buchstabe
„s“ bedeutet ‘selig’, d.h. er hat sich an
der Vorbereitung zum Orgelbau noch finanziell beteiligt und ist
in den Jahren zuvor verstorben. 1691 gehörte er zu den Stiftern
des Beichtstuhles in der Alten Kirche. Sein Name und die der anderen
Stifter finden sich in der Inschrift im Gebälkwulst in vergoldeten
Frakturbuchstaben. Diesem zweiten Mann unter den drei gleichnamigen
ist wohl der heute an der Außenwand der Alten Kirche befindliche
Grabstein aus dem Anfang des 18. Jahrhunderts zuzuordnen, welcher
einst im Innern des Gotteshauses das Grab des „wohlehrenfesten
großachtbaren und wohlfürnehmen Peter Harsen und seine
Frau Elsebe“ abdeckte, bis er am Anfang des 20. Jahrhunderts
bei der Restaurierung des Chorraums entfernt wurde. Auf diesem Stein
ist auch das Wappen der bedeutenden Pellwormer Familie, drei Bäume
und ein springender halber Hirsch, zu sehen. Nach dem Nordstrandinger
Hebungsregister von 1684 (veröffentlicht bei Dorothea v. Chamisso‚
Pellworm im Jahrhundert der großen Flut, 1986, S. 215 ff.)‚
besaß dieser Peter Harsen allein in seinem Amtsbezirk (RathMansLag)‚
über 197 Demat Land. Doch sein Besitz wird noch größer
gewesen sein, da für ihn in einem anderen Bezirk Pellworms
weitere 66 Demat verzeichnet sind.
Der dritte ist der Verfasser unseres kleinen Dokumentes aus dem
Kirchenarchiv, welcher zur Zeit der Abfassung seiner Hochzeitsbürgschaft
selbst Theologiestudent war. An der Südwand unserer Alten Kirche
nahe bei der Arp-Schnitger-Orgel hängt ein ovales Bildnis dieses
Mannes, des Pastors Petrus Harssen, mit der Inschrift: „Hr.
Petrus Harssen Past: Bei Der alten Kirche Natus Pellworm 1677 Den
16. Junii Vocatus 1702 Den 26. Martii Et Denatus 1740 Den 20. Octobris“.
Peter Harssen kam also am 16. Juni 1677 auf Pellworm zur Welt und
gehörte in etwa zu Jahrgang Christian Nommensens. Er studierte
u. a. in Kiel Theologie. 1701 ist er dort noch an der Christian-Albrechts-Universität
eingeschrieben. In der Kieler Immatrikulationsliste ist er als „Nordstrandensis“
eingetragen. Es wird jedenfalls eines seiner letzten Studiensemester
gewesen sein, denn im Jahr 1702 ist er bereits als Compastor an
der Alten Kirche zu Pellworm tätig.
Verheiratet war Petrus Harssen mit Dorothea, geb. Rachelin. Sie
wird auf dem zweiten Ölgemälde mit einem goldbestickten
Kleid, dunklem Schultertuch und weißer Haarschleife portraitiert.
Zudem trägt sie an einer Halskette ein kleines Perlenkreuz.
Die Inschrift auf ihrem Bild lautet: „Fr. Dorothea Harssen
Pasto: gebohrne Rachelin. Nata zu Tetenbüll Ao.1686 Den 13.
Octobris. ET Denata Pellworm. 1721 Den 19. Juni.“
Die Frau des Pastor Petrus Harssen wurde am 13. Oktober 1686 in
Tetenbüll auf Eiderstedt geboren und kam aus einer bedeuten
Gelehrten- und Theologenfamilie des 17. Jahrhunderts. Dorothea Rachelins
Vater war der Pastor Mouritz (Mauritius) Rachel (1656-1699), der
in Heide zur Welt kam, in Kiel Theologie studierte, 1680 Rektor
in Tönning, 1683 zunächst Diakon und dann Pastor in Tetenbüll
und ab 1693 Compastor und schließlich Hauptpastor in Tönning
bis zu seinem Tode war. Aus dieser Familie stammte auch der bedeutende
Professor der Rechtswissenschaft Samuel Rachel (1628-1691), der
zur ersten Generation der 1665 in Kiel gegründeten Christian-Albrechts-Universität
gehörte.
Der Pellwormer Theologe Petrus Harzen wird aber aller Wahrscheinlichkeit
nach auch an anderen Universitäten studiert haben und dort
möglicherweise Christian Nommensen kennengelernt haben, für
den er 1697 bürgt. Weil er dafür Zeugnis ablegt, daß
Christian Nommensen ledig war, muß er mit ihm in den vorherigen
Jahren gemeinsam studiert haben.
Christian Nommensen hatte noch anderen Kontakt mit nordschleswigschen
und nordfriesischen Theologiestudenten, wie es ein Blick in die
Studentenlisten seiner Zeit deutlich aufzeigt: In Wittenberg besuchte
Christian Nommensen 1692 die namhafte Universität zusammen
mit dem Sonderburger Pastorensohn Johannes Stenlosius, der von 1712
bis 1741 Propst von Aerö war, und mit dem Drelsdorfer Pastorensohn
Nicolaus Cnuthi. In Kopenhagen waren Christianus Closter aus Hadersleben,
später Pastor in Oldenburg, und Michael Cröger, ebenfalls
aus Hadersleben, zuletzt Pastor in Andebo (Norwegen), Nommensens
Studienkollegen.
Das Leben Christian Nommensens war kurz. Nur ein Jahr nach der Abfassung
des Dokumentes seines Pellwormer Freundes Petrus Harssen (Peter
Harßen) ist er gestorben. Und das nun gesicherte Kirchenarchiv
unserer Insel bewahrt in seinem ältesten Zeugnis diese winzige
Nachricht über ihn. Sein Todestag steht in dem Werk von C.
L. Lengnick „Studenter jordede i Kjobenhavn 1649-1814“
verzeichnet.
Manfred Karl Adam
Nachrichten aus dem Archiv unserer Kirchengemeinde
Das historische Archiv der Ev.-Luth. Kirchengemeinde Insel Pellworm
befand sich vor fünfzehn Jahren in einem Zustand, der eine
weitere Sichtung und Sicherung des Aktenbestandes nötig machte.
Ein erster Zugang zu dePellwormer Kirchenbüchern wurde durch
Heinz Levsen gefunden, der seit Jahrzehnten die Familiengeschichte
unserer Insel in den Tauf-, Trauungs- und Sterberegistern sachkundig
und gewissenhaft erforscht hat. Die Pellwormer Kirchenbücher
lagerten jedoch in einem mangelhaften, provisorisch in den sechziger
Jahren gebauten Bodenraum des Pastorates bei der Alten Kirche.
Zunächst wurde 1989 veranlaßt‚ sämtliche Kirchenbücher
zu verfilmen, so daß für jeden Heimatforscher eine Einsicht
am Lesegerät im Archiv unseres Husumer Kirchenkreisamtes durchgängig
möglich ist, ohne die Bände dem Tageslicht auszusetzen
und so weiter abzunutzen. Zudem war es äußerst wichtig,
die einmaligen Dokumente zur Familiengeschichte Pellworms dauerhaft
in einer Filmkopie zu sichern. Der Brand im Jahre 1783 bei der Alten
Kirche hatte damals nicht nur sämtliche umliegenden Gebäude
und das Glockenhaus vernichtet, sondern aller Wahrscheinlichkeit
nach auch einen großen Teil anderer älterer Dokumente
verloren gehen lassen. Die ältesten Kirchenbücher der
Alten Kirche scheinen von dieser Katastrophe nur teilweise betroffen
gewesen zu sein. Sie sind von 1751 an erhalten, während für
die Neue Kirche z. B. Tauf- und Sterberegister seit 1715 vorhanden
sind.
Das weitere historische Aktenarchiv befand sich in einem kleinen
Raum neben dem Amtszimmer im Pastorat und war vor Jahren –
Gott sei Dank – von Erich Beese vorgeordnet und vorläufig
gesichert worden. Schon Pastor Heinrich Hansen (1861-1940), dem
Vater Pastor Karl Hansens, war bei der Sichtung des Archivs der
damaligen Gemeinde der Alten Kirche vor einhundert Jahren aufgefallen,
daß die wenigen ältesten Aktenstücke aus dem 17.
und 18. Jahrhundert fast verfallen waren. Heinrich Hansen schrieb
diese Dokumente eigenhändig ab und leitete am 18. September
1906 die Abschriften mit folgenden Worten ein: „Inliegende
alte Aktenstücke fand ich zum größten Teil im alten
Wandschrank bei der Treppe im Pastorat. Ich habe sie abgeschrieben
in der Zeit vom 22. August bis zum 18. September 1906. Die Aktenstücke
haben für die jetzige Zeit zwar keinen geschäftlichen,
wohl aber historischen Wert. Darum habe ich auch unbedeutende Schriftstücke
nicht ausschließen zu dürfen geglaubt, da sie immerhin
auf die Zeit, darin sie entstanden sind, ein Schlaglicht zu werfen
imstande sind. ... Durch das Abschreiben dieser alten Papiere, die
sonst unfehlbar in dem feuchten Marschklima Pellworms wie so manches
andere durch Vermorschung verloren gegangen wären, hoffe ich
der Nachwelt einen Dienst erwiesen zu haben.“
Sozusagen ‘auf den Fußspuren Pastor Heinrich Hansens’
wurde zunächst der provisorische Bodenraum, der völlig
feucht war und zudem keinerlei Brandschutz hatte, abgerissen. Küster
Heinrich Ewers errichtete dann ein neues, etwa dreißig Quadratmeter
großes Zimmer aus Wänden, die brandsicherer sind. Eine
feuerhemmende Metalltür wurde beschafft und ebensolche Schränke
für die Kirchenbücher. Zunächst wurden diese Kirchenbücher
in säurefreien Kartons gelagert, die dem heutigen Archivstandard
entsprechen. Das Fenster erhielt ein lichtundurchlässiges Rollo,
und Küster Heinrich Ewers baute einen großem Archivtisch.
Dann wurde sämtliches weitere Archivmaterial gesichtet und
in dem neuen Raum vorläufig aufbewahrt.
Der ‘geneigte Leser’ dieses Berichtes möge sich
bitte vorstellen, daß solche Archivarbeiten – auch die
des Küsters – meist in der Freizeit geschehen. Notwendigerweise
stand und steht unsere Kirchengemeinde bei solcher Tätigkeit
in ständigem Kontakt mit den Fachleuten des Nordelbischen Kirchenarchivs
in Kiel und dem langjährigen Kirchenkreisarchivar Uwe Boyens
aus Husum, der fachkundig die Kirchenarchive unserer Region aufgearbeitet
und betreut hat. Ab 1998 half dann der junge Historiker von der
Philosophischen Fakultät der Universität Greifswald, Dr.
habil. Martin Krieger. Er nahm eine detaillierte Sichtung sämtlicher
Pellwormer Dokumente sowie eine vorläufige Gliederung des schriftlichen
Materials vor. Daß Dr. habil. Krieger selbst Hand bei der
sog. ‘Entmetallisierung’ anlegte, d.h. sich nicht zu
schade war, die notwendige Entfernung alter Heftungen und rostiger
Büroklammern vorzunehmen, zeigt seine umfassende Kenntnis im
Umgang mit historischen Archiven. Er sichtete mit dem Pastor auch
die bereits von Pastor Heinrich Hansen 1906 aufgefundenen ältesten
Aktenstücke, die, auseinandergefallen in Teilstücke und
mit Schimmelpilz verdorben, nur noch durch eine sorgfältige
Restaurierung zu retten waren. Es ist der Umsicht unseres Kirchenvorstandes
zu verdanken, sofort die nötigen Finanzmittel zur Sicherung
und Wiederherstellung dieser ältesten Dokumente unserer Insel
bereitgestellt zu haben!
Nach der Durchsicht wurde in einer mehrjährigen Arbeit, die
in sehr großen Zeitabständen und meist während der
Urlaubstage unter der Federführung von Uwe Boyens vom Kirchenkreis
und Peter Bahr vom landeskirchlichen Archiv stattfand, der gesamte
Archivbestand in 415 Archivmappen eingeordnet und in fast 90 säurefreien
Kartons gelagert. Weiter galt es, die Erschließbarkeit der
Aktenbestände nach unserer landeskirchlichen Norm möglich
zu machen und ein sog. ‘Findbuch’ zu erstellen. Es ist
unserem Kirchenkreisarchivar Uwe Boyens von ganzem Herzen zu danken,
daß er sich dann bereiterklärte, das gesamte Archiv und
die von Dr. habil. Krieger und dem Pastor angelegte Vorordnung noch
einmal durchzusehen. Gleiches gilt Dr. Anette Göhres, Peter
Bahr und Angelika Mittelsteiner sowie für andere Mitarbeiterinnen
und Mitarbeiter des Nordelbischen Kirchenarchivs. Ihnen ist zu danken,
daß das Findbuch des Archives der Kirchengemeinde Pellworm
in diesem Sommer fertiggestellt wurde.
Das Archiv unserer Pellwormer Kirchengemeinde ist ein kleiner, aber
nicht unwichtiger Baustein für die Erforschung der Heimatgeschichte
Nordfrieslands und der Landesgeschichte Schleswigs. Es wäre
wünschenswert, die entsprechenden Archive anderer Kirchengemeinden
der Uthlande Nordfrieslands (Nordstrand, Hooge, Langeneß,
Nordstrandischmoor etc.) in einem vereinten Findbuch zu vernetzen‚
um für die gemeinsame Geschichte die Forschungsmöglichkeiten
zu vereinfachen. Eine zusammenhängende Erfassung der Kirchenbücher
auf dem Wege der elektronischen Datenverarbeitung wäre der
weitere und größte Schritt zur Vereinfachung jeder Familienforschung
und der regionalen Kirchengeschichte. Daß hier aus Gründen
des Datenschutzes diese Erfassung nur bis ins 19. Jahrhundert reichen
darf, ist ohne großen Belang. Auch eine regional schnell zugängliche
und zusammenfassende Verzeichnung kirchlicher Archivbestände
des Landesarchives Schleswig-Holstein, des Nordelbischen Kirchenarchives
und des Reichsarchivs Kopenhagen (Tyske kancelli‚ der sog.
Deutschen Kanzlei) würde durch eine gemeinsame EDV-Auflistung
der vorhandenen Bestände die Forschung erheblich erleichtern.
Für Pellworm sind beispielsweise die im Schleswiger Landesarchiv
befindlichen Nordstrandinger Hebungsregister und Landgeldrechnungen
eine der letzten Quellen‚ familienkundliche Daten und Nachrichten
aus der Zeit vor den vorhandenen Kirchenbüchern zu erlangen.
Im Landesarchiv befinden sich ebenso die wenigen kirchlichen Archivbestände
der 1634 und in den Jahren darauf untergegangenen bzw. ausgedeichten
Kirchspiele (z. B. Brunock, Buphever, Ilgroff, Osterwold etc.).
Gleiches gilt im übrigen für eine Datenbestandszusammenfassung
der Kommunen und Kirchengemeinden, da nach der Trennung von Staat
und Kirche und der Aufhebung des kommunalen Patronates auch die
Archivbestände aufgeteilt worden sind. Hierzu haben bereits
vorbereitende Gespräche zwischen dem Museums- und Archivleiter
der Gemeinde Pellworm und der Kirchengemeinde stattgefunden.
Manfred Karl Adam
Der Rathmann Adolph Lorentzen
Spuren eines friesischen Politikers und Kirchenmannes des 17. und
18. Jahrhunderts in den Kirchen Pellworms
In unserer Alten und Neuen Kirche finden wir auf Bänken, Kanzeln
oder Wandbildern häufig die Vor- und Nachnamen von Pellwormer
Bürgern aus vergangenen Jahrhunderten. Bei den sommerlichen
Kirchenführungen wird von interessierten Urlaubern nicht selten
nachgefragt, welche Bedeutung die aufgeführten Personen für
unsere Insel hatten.
Namen sind doch nicht Schall und Rauch. Wer die Neue Kirche betritt,
kann gleich auf dem Deckenbalken über der Orgelempore nachlesen,
daß bei der grundlegenden Renovierung und Umgestaltung dieses
Gotteshauses vor 136 Jahren der Rathmann Adolph Lorentzen noch im
historischen Bewußtsein der Gemeinde lebendig war als einflußreicher
Pellwormer, der in den Jahren zwischen 1695 und 1722 die Inselgeschichte
und besonders unsere Neue Kirche nachdrücklich gestaltet und
gefördert hat.
Bei dieser umfassenden Restaurierung der Neuen Kirche im 19. Jahrhunderts
hatten die Gemeinde und die Obrigkeit ein völlig anderes denkmalpflegerisches
Verständnis, als es heute üblich ist, und viel weniger
Sinn für die Erhaltung früherer Gestaltungen des Kirchenraumes.
Aber die Erinnerung an den Rathmann Adolph Lorentzen war damals
noch gegenwärtig. Auf dem Balken ist sie in schwarzer Schrift
zu lesen: „Rathm. Adolph Lorenzen[!]. 1704 Zum dankbaren und
ehrenden Andenken. 1867 Christina Adolphs“.
Adolph und Christina Lorentzen waren der Neuen Kirche als Ehepaar
sehr verbunden. 1696 hatten sie bereits ein Herzensgeschenk gemacht
und der Kirche einen Abendmahlskelch aus vergoldetem Silber gestiftet
mit der Widmung: „Adolph Lorentzen undt seine Ehe Frau Christina
Adolphs verehren diese [!] Kelch Gott zu ehren und der Kirchen zum
zierde aufm Altar an der neuen Kirchen in Pilwurm 1696“.
Wenige Jahre später wurde ab 1704 die Neue Kirche, die 1621/1622
neu erbaut worden war, völlig umgestaltet. Adolph Lorentzen,
seine Frau und der damalige Pastor Titus Axen und dessen Frau stifteten
die kostbare Ausmalung der sichtbaren Balkendecke mit Propheten-
und Apostelbildern und darin eingereihten Szenen biblischer Geschichte.
Nach dem Kirchenbrand 1998 wurde vergeblich nach Resten dieser Deckengemälde
gesucht, die bei der Restaurierung 1867 wahrscheinlich gänzlich
entfernt wurden.
Vor fast dreihundert Jahren ließ Adolph Lorentzen auch das
von seinem Großvater um 1570 der Kirche von Ilgroff gestiftete
Wandbild (heute über dem Beichtstuhl) renovieren, wie es in
der Inschrift des Epitaphes zu lesen ist: „Gott zu Ehren,
der Kirchen Zur Zirat, hat Tomas Elersen dieses Epitaphium, in der
inundirten Kirchen Ilgroff verehret, und ao 1636, anhero von sein
Sohn Lorentz Tomsen versetzet worden, welches sein Sohn Edleff Lorentze
[!] renoviren lassen 1704“.
Adolph (oder in friesischer Namensaussprache Edleff) Lorentzens
Großvater muß in der durch die Flut von 1634 völlig
zerstörten Nachbargemeinde Ilgroff ebenfalls ein wohlhabender
und einflußreicher Mann gewesen sein, der sich für sein
Wandbild die Rahmung durch den bedeutenden Bildhauer Johann v. Groningen
fertigen lassen konnte. Kniend unter einer gemalten Szene aus Dürers
Kupferstichpassion (B 13) als Vorlage des Künstlers ließ
sich Adolph Lorentzens Ahnherr porträtieren.
Das Wandbild kam wie der Ilgroffer Altar in die Neue Kirche. So
wie sich die meisten der überlebenden Rathmänner Alt-Nordstrandes
nach der Flut von 1634 in die Pellwormharde begaben, war auch Adolph
Lorentzens Vater Lorentz Tomsen in den Bereich der Neuen Kirche
gezogen und hatte sich Ansehen und anfänglichen Wohlstand erarbeitet.
Zur Erneuerung der Neuen Kirche trug auch der prächtige Kronleuchter
erheblich bei, den Adolph Lorentzen wiederum mit seiner Ehefrau
stiftete. Die Inschrift in der Messingkugel berichtet dazu: „EDLEF
LORENSEN UND SEINE HAUS FRAU CHRISTINA HABEN GOTT ZU EHREN UND DER
KIRCHEN ZUM ZIERATH DIESE KRONE IN DER NEUE KIRCHEN ZUR GEDECHTNIS
VEREHRET IN PILWORM ANNO 1704“.
Ein rundes Brustschild im Kronleuchter zeigt das Familienwappen
zweifach: ein von gekreuzten Pfeilen durchbohrtes Herz, das auf
die Verehrung der Maria in ihrem Leiden hinweisen sollte. In der
rechten Helmzier des einen Wappens ist ein Mann mit Schwert und
Waage zu erkennen, welcher symbolisch für die Tätigkeit
des Rathmanns als Richter steht. Das andere Wappen zeigt an gleicher
Stelle eine Lilie als Zeichen für Gerechtigkeit und Reinheit.
Die Lilie war in der Marienverehrung das Sinnbild für Tugend
und Jungfräulichkeit. Diese Wappenbeigaben können möglicherweise
bereits aus der Zeit vor der Reformation stammen, in der die Marienfrömmigkeit
für die Familien Alt-Nordstrands u.a. in einem Marien-Kaland
(Mariengilde) und dem erhaltenen Mariensiegel aus dem 15. Jahrhundert
für Pellworm bezeugt ist.
Die Umgestaltung der Neuen Kirche, ihre überaus prächtige
Bemalung und die Ausstattung mit kostbarem Inventar wurden 1704/1705
im wesentlichen durch Adolph Lorentzen und dessen Ehefrau ermöglicht.
In der Wirtschaft und Selbstverwaltung Pellworms nach der Flut von
1634 war Adolph Lorentzen als Gevollmächtigter und Rathmann
einer der einflußreichsten Persönlichkeiten seiner Zeit.
Sein weitaus überdurchschnittlicher Landbesitz zeigt sich in
der Nordstrander Landrechnung von 1706, die für Adolph Lorentzen
über 111 Demat ausweist. Er besaß einen Krug bei der
Neuen Kirche. Die leere Warft hinter der heutigen Meierei wird sein
stattliches Haus getragen haben. Und auch im Umschlag des Handels
war Adolph Lorentzen als Schiffseigner von nicht geringem Einfluß.
Dorothea v. Chamisso beschreibt in ihrer 1986 erschienenen Untersuchung
„Pellworm im Jahrhundert der großen Flut“ nachdrücklich
die Aufbauleistung der zweiten Generation der Rathmänner, Gevollmächtigten
und Deichgrafen nach der Flut von 1634. Ihre Verwandte Emmy Jensen
verwahrt die ausführlichen Manuskripte der Vorarbeiten zu diesem
Thema und hat diese dankenswerterweise dem Verfasser zur Einsicht
gegeben für diesen kleinen Beitrag.
Adolph Lorentzen hatte mit den bedeutendsten Männern Pellworms,
die sich um die politische Verwaltung und den Deichbau der Insel
kümmerten, und mit den Pastoren seiner Lebenszeit eng zusammengearbeitet
und die Marscheninsel nach der furchtbaren Katastrophe der Flut
tief geprägt. Titus Axen (Pastorendienstzeit 1693-1705), Johann
Friedrich Heseler (1707-1711), Friedrich Hauptmann (1711-1717) und
Johann Diederich zum Felde (1718-1727) waren die Pastoren, mit denen
Adolph Lorentzen an der Neuen Kirche zusammenwirkte, und Broder
Thomsen, Peter Harsen und Martin Tetens, die Diakone oder Pastoren
der Alten Kirche. Tye Ocksen, Adrian Balck, Peter Carstensen, Nommen
Brodersen, Knut Bandicksen und Peter Finck standen über zwei
Jahrzehnte als Rathmänner mit ihm in Verbindung.
Dieser rege geistige, geistliche und politische Austausch zeigt
sich in ganz besonderem Maße auf der Stiftertafel der Orgel
in der Alten Kirche, die im Jahr 1711 bei Arp Schnitger fertiggestellt
wurde. Wiederum war Adolph Lorentzen, wie es die Tafel an der Nordwand
belegt, einer der führenden Geldgeber.
Und auch die silberne Oblatendose in der Neuen Kirche soll er 1713
bei einem Stockholmer Silberschmied für seine Heimatkirche
erworben haben. Als das im Südwesten der Neuen Kirche gelegene
Pastorat 1716 neu erbaut wurde, war Adolph Lorentzen die letzten
Jahre im Amt als Rathmann. Noch heute sind im Giebel des großen
Friesenhauses seine Initialen A L zu sehen und die Buchstaben A
B, die wohl zu Adrian Balck gehören, der Adolph Lorentzen nach
dessen vermutlichem Tod um 1722 im Amt des zweiten Rathmanns von
Pellworm direkt nachfolgte.
Heinz Levsen hat in seiner für Pellworm und die nordfriesische
Heimatgeschichte unentbehrlichen Veröffentlichung über
die „Warfteigentümer und Landeigentümer Pellworm“
(1991) für die o.a. Warft hinter der heutigen Meierei für
das Jahr 1741 noch einen Adolph Lorentzen als Eigentümer angegeben.
Dieser könnte aber lediglich ein Nachfahre (Enkel?) des Rathmannes
gewesen sein.
Denn nachweislich ist spätestens 1724 Adolph Lorentzen nicht
mehr als Rathmann aufgeführt. 1722 taucht sein Name letztmalig
in einer amtlichen Urkunde auf. Die Spuren des Pellwormer Politikers
und Kirchenmannes des 17. und 18. Jahrhunderts verlieren sich fast
zwei Jahrzehnte vor 1741 in einem Dokument aus dem Jahr 1723, welches
ein anderer ihm nachfolgender Rathmann mit folgenden Worten unterzeichnet:
„Behrend Claußen für mich und Sehl. Adolph Lorentzen’s
Weib (oder Witwe) imgleichen für meine Mündel“.
Adolph Lorentzen war also tot.
Das Sterberegister der Neuen Kirche weist keinen Eintrag über
die Beerdigung Adolph Lorentzens auf Pellworm aus. Kirchenbücher
der Alten Kirche gibt es aus diesen Jahrzehnten des 18. Jahrhunderts
leider nicht mehr. Es ist aber durchaus denkbar, daß der namhafte
Politiker, Hofbesitzer, Kaufmann und Stifter in Husum seine letzte
Ruhestatt gefunden hat. Hier kann die Spurensuche fortgesetzt werden.
Manfred Karl Adam
„Kanzelkunde“ – Ein Beitrag zur Geschichte unserer
Neuen Kirche
Über das Schicksal der Alt-Nordstrander Kirchen nach der Flut
von 1634 gibt ein im Schleswiger Landesarchiv (LAS Abt. 18 Nr. 69)
befindlicher Bericht aus dem Jahre 1641 Zeugnis. Peter Schmidt-Eppendorf
ist es zu verdanken, diesen Bericht 350 Jahre nach der Katastrophe
erstmalig veröffentlicht zu haben („Die erschreckliche
Wasser-Fluth“ 1634, hrsg. v. Andreas Reinhardt, Heimatkundliche
Schriften des Nordfriesischen Vereins, H. 9, Husum 1984, S. 63-148).
Johannes Heimreich (1568-1664) ist der vermutliche Verfasser dieser
Handschrift. Sein Sohn Anton Heimreich (1626-1685) zeichnete in
der ‘Nordfresischen Chronik’ auf, daß Johannes
Heimreich als Pastor der Alten Kirche, Kirchencommissar und Inspector
der Nordstrander Kirchen den herzoglichen Auftrag wahrnahm, mit
dem Landschreiber Balthasar Novock eine detaillierte Übersicht
über die verheerenden Schäden der 22 Kirchspiele der überfluteten
Insel, ihrer Kirchengebäude und des Inventars zu erstellen.
In Zusammenarbeit mit dem Landschreiber, mit Rathmännern und
Kirchenvertretern, hält der Bericht vom 9. März 1641 u.a.
die Geschichte des Verbleibs der Kirchenschätze der zerstörten
und ausgedeichten Kirchen fest.
Auch das Kirchspiel Ilgruff (auch Ilgruf, Ilegruff oder Ilgrof geschrieben)
wird von Johannes Heimreich und seiner Kommission mehrfach besucht,
um den Wert des Kircheninventars für einen Verkauf zu schätzen.
U.a. gehörte der Rathmann Johann Hummersen zu diesem Team,
dessen Grabstein wir nach dem Brand der Neuen Kirche im Schutt unter
dem Fußboden auffanden. Und am Ende der Aufnahme des Bestands
der Kirche von Ilgruff vermerken die damaligen Gutachter (p. 27r,
bei Schmidt-Eppendorf S. 83. u. 86.): „Mit den Sacris ornamentis
von Illgruff verhelts sich also: Altar und Predigstuel soviel davon
ausgehoben sein bey der Kleinen Kirch zu Pillwurm beygesetz.“
Diese Eintragung bewirkte, daß bis in die wissenschaftliche
Literatur unserer Zeit hinein in Kunstgeschichte und Heimatforschung
davon ausgegangen wurde, der Altar und die Kanzel unserer Neuen
Kirche stammten ursprünglich aus der untergegangenen Nachbarkirche
von Ilgruff.
In dem vom damaligen Provinzialkonservator Ernst Sauermann 1939
herausgegebenen Werk „Die Kunstdenkmäler des Kreises
Husum“ deuten die Bearbeiter den Vermerk von 1641 über
die Überführung des Altars und der Kanzel von Ilgruff
nach Pellworm als tatsächlichen Verbleib in der Neuen Kirche
und schreiben über unsere Kanzel (S. 224): „1638 aus
Ilgrof gekommen.“ Und auch Marcus Petersen nimmt in seiner
für unsere Kirchengemeinde wichtigen Schrift „Kirchenschätze
auf Pellworm“, die 1983 erschien, weiter an (S. 86): „Die
Kanzel ist um 1600 für die Kirche zu Ilgrof gestiftet worden
und nach der Sturmflut 1634 – wahrscheinlich zusammen mit
dem Flügelaltar – nach Pellworm gekommen.“
Doch die Antiqua-Inschriften der eichenen Kanzel geben eine deutlichere
Auskunft über den Hintergrund der Entstehung dieses Predigtstuhls.
Zunächst sei ein Blick auf den im Niederdeutsch der Zeit geschriebenen
biblischen Vers geworfen: II. COR. V, 20. WI SINT BADEN IN CHRISTVS
STEDE, WENTE GODT VORMANET DORCH VNS V. COR.
Wir erfahren durch dies biblische Votum durchaus etwas über
das Glaubensverständnis der damaligen Stifter. „So sind
wir nun Botschafter an Christi Statt, denn Gott ermahnt durch uns.“
So lautet das Motto der auf der Kanzel aufgeführten Personen.
Die erwähnten acht Männer sahen ihre Verantwortung wie
die Apostel in der Aufgabe von Verkündigung, Gemeindeleitung
und Ermahnung für die Kirchengemeinde, der sie angehörten.
Es folgen die Stifternamen: FEDDER HANSEN VND IOHAN HANSE HANS HARSEN
VND IOHAN HVMMERSEN VND NOCE HVMMERSEN H. IOHANES WALTZEN HVMMER
IOHANSEN LEVE EDDELEFSEN D.N. IOHAN SWENSEN BAVWEHEREN.
Wer waren nun diese Männer, die sich als ‘Bauherren’
der Kanzel im Eichenholz verewigen ließen? Käme unsere
Kanzel tatsächlich aus der nur wenige Kilometer östlich
des heutigen Bupheverkooges versunkenen Kirche Ilgruffs, dann müßten
hinter diesen Stifternamen bedeutendere Einwohner des zur früheren
Pellwormharde gehörigen Kirchspiels stehen.
Aber die Suche nach den Männern, deren Namen auf der Kanzel
der Neuen Kirche stehen, bringt ein ganz anderes und bisher in der
Forschung übersehenes Ergebnis:
Fedder Hansen ist der nach 1634 belegte gleichnamige Rathmann Pellworms,
der zusammen mit Ocke Harrsen, Fedder Levesen und Hermann Tilly
zu den ersten Rathmännern nach dieser verheerenden Flut gehörte.
Über Johan Hanse konnte der Verfasser bisher nichts erfahren,
vielleicht ist er ein Bruder des vor ihm genannten.
Hans Harsens Name steht auch auf der 1624 erneuerten Kanzel der
Alten Kirche. Er ist der Bruder des Rathmannes Ocke Harsen. Beide
stifteten mit ihrer Familie im genannten Jahr die Bemalung der Kanzel
der Alten Kirche. Und die Stiftung in der benachbarten Hardeskirche
Pellworms gibt uns den ersten Zeithinweis für die Kanzel in
der Neuen Kirche!
Der aufgeführte Johan Hummersen ist wohl der später bekannte
Pellwormer, der von 1663 bis 1676 dann als erster Rathmann amtierte
und von dessen Grabstein wir Reste in der Neuen Kirche vorfanden.
Der nachfolgende Noce Hummersen könnte ein naher Verwandter
des Ersteren sein.
Die weiteren Namen der BAVWEHEREN geben schließlich die genaue
Auskunft über die Zeit und den Ort der Aufstellung unser Kanzel
in der Neuen Kirche.
H. Iohanes Waltzen ist zweifellos der Pastor zur Zeit des Neubaus
unserer Neuen Kirche. Anton Heimreich nennt in seiner Chronik für
das Jahr dieses zweiten Neubaus die genaue Jahreszahl 1622. Das
H. steht für „Herr“ und ist als Titel Namensbestandteil
eines Pastors. Die Namensschreibweise ändert sich oft im 17.
Jahrhundert innerhalb eines Dokumentes. Iohanes Waltzen ist der
Pastor Johannes Woltsen (15...-1625), der von 1616 bis 1625 Pastor
der Neuen Kirche gewesen ist und neun Jahre vor der Flut von 1634
starb. Er ist der Sohn von Otto (oder Ocke) Woltsen, der 1616 verstarb
und zunächst Diakon in Gaikebüll, dann bei der Alten Kirche
zu Pellworm und von 1582 bis 1616 als Vorgänger seines Sohnes
Pastor der Neuen Kirche war. Otto Woltsen soll von Odenbüll
stammen.
Hummer Johansen ist bei Deichbaumaßnahmen für das Jahr
1616 als Pellwormer nachgewiesen. Er kann nach der Form der nordfriesischen
Namensgebung der Vater Johann Hummersens sein. Als Deichrichter
ist er in einem Bericht des Landschreibers Peter Fincke vom 22.9.1618
erwähnt.
Und der folgende Name des Leve Edleffsen findet sich auch auf der
Kanzel der Alten Kirche, deren Bemalung 1624 vom Rathmann Ocke Harsen,
dessen Brüdern Kanut, Peter, Bandick und Hans Harsen sowie
dem genannten gemeinsamen Schwager Leve Edleffsen gestiftet wurde.
Ein Johan Schweensen wird als Deichrichter in einer Anordnung des
Stallers vom 10.7.1617 erwähnt. Er hatte u.a. seinen Besitz
im Alten Koog. D. N. kann die Abkürzung der Anrede ‘Dominus’
sein, auf deutsch ‘Herr’, die einem amtierenden Deichrichter
zustand.
Wichtige Persönlichkeiten der Pellwormharde, der Pastor der
Neuen Kirche, Rathmänner, Deichrichter und Angehörige
bedeutender Familien Pellworms haben also die Kanzel um die Zeit
des Neubaus unserer Neuen Kirche über ein Jahrzehnt vor der
Flut von 1634 gestiftet. Und es ist durchaus denkbar, daß
Pastor Johannes Woltsen gemeinsam mit den führenden Personen
Pellworms die Kanzel zum Neubau der Neuen Kirche 1622 gestiftet
hat.
Wo die Kanzel von Ilgruff verblieben ist, bleibt unbekannt. Es war
aber nach der Katastrophe von 1634 durchaus üblich, Kircheninventar
von Nachbargemeinden bis zu deren Weiterverkauf in einem erhaltenen
Kirchengebäude aufzubewahren.
So verhielt es sich beispielsweise auch mit der heute in Ockholm
befindlichen Kanzel, die stilistisch mit der in der Neuen Kirche
eng verwandt ist. Ihre Kanzeltür bezeugt in einer Inschrift
das Jahr 1620 und belegt schon dadurch den zeitlichen Zusammenhang
mit der Kanzel der Neuen Kirche. Ein späterer inschriftlicher
Zusatz, daß „diesen Kanzel u: Tauffstein aus Odenbül
in Nordstrand erkauft“ sei im Jahre 1647, bezeugt deutlich
Odenbüll als den vorläufigen Ort der Herkunft.
Da aber die St. Vinzent Kirche zu Odenbüll auf dem heutigen
Nordstrand seit dem Jahr 1605 die von der Familie Melfsen gestiftete
und kunstgeschichtlich herausragende Kanzel nach dem sog. Eiderstedter
Typus als wertvolles Inventar besitzt und schwerlich zwei Predigtstühle
in dieser Kirche vorhanden gewesen sein können, stellt sich
die Frage, woher denn die Ockholmer Kanzel stammt?
Aber bereits der erste Stiftername auf der jetzigen Ockholmer Kanzel
gibt eine klare Antwort auf den Ursprungsort ihrer Herkunft: H.
Hennrius Bruns. Das ist ‘Herr’ Hinrich Bruns (†
1639), der 1620 erst Diakon in dem Odenbüll benachbarten Evensbüll
war und ab 1626 der dortige Pastor. Seine Schwester Magdalena war
die Ehefrau Johannes Heimreichs. Und beider Vater Antonius, von
1583 bis 1613 (1623?) ebenfalls Pastor zu Evensbüll, der Großvater
und Namensgeber unseres nordfriesischen Chronisten Anton Heimreich.
Die Evensbüller Kanzel war also nach der endgültigen Aufgabe
des Kirchspiels und der Einpfarrung nach Odenbüll dort zwischengelagert
und dann nach Ockholm verkauft worden.
So könnte es auch mit der Kanzel Ilgruffs geschehen sein, über
deren Verbleib bisher keine Erkenntnisse vorliegen.
Daß zahlreiche Kirchenschätze der in den Jahren nach
1634 untergegangenen Kirchen Alt-Nordstrands die mörderische
Flut überlebten und im kirchlichen Gebrauch christlicher Gemeinden
blieben, ist für die Menschen auf den Inseln und Halligen eigentlich
eine österliche Geschichte. Die Taufe aus Buphever in unserer
Alten Kirche, der wunderbare Altar Ilgruffs in der Neuen Kirche
auf Pellworm oder der Altar Rörbeks, der heute in Bordelum
steht: unsere Kirchenschätze in vielen Kirchen Nordfrieslands
sind keine Museumsstücke, sondern lebendige Zeichen des Lebenswillens,
der Glaubensstärke und der Auferstehungshoffnung der Menschen,
die seit Jahrhunderten der Bedrohung ihrer Heimat durch die Fluten
der Nordsee standhielten und standhalten
Der Predigtstuhl unserer Neuen Kirche ist und bleibt also eine ‘echte’
Kanzel Pellworms, die um 1622 bei dem zweiten Neubau unseres Gotteshauses
gestiftet wurde. Unser Predigtstuhl erzählt Pellwormer Kirchengeschichte:
nordfriesische Kanzelkunde.
Manfred Karl Adam
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| Sylt: |
Keitum, St. Severin
Morsum, St. Martin
Westerland, Dorfkirche |
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| Föhr: |
Nieblum, St. Johannes
Boldixum, St. Nicolai
Westerlandföhr, St. Laurentii
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| Amrum: |
| Nebel, St. Clemens |
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| Hooge: |
| Kirchwarft, Halligkirche |
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| Langeneß: |
| Kirchwarf, Halligkirche |
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| Oland: |
| Halligkirche |
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| Gröde: |
| Halligkirche |
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| Pellworm: |
Alte Kirche, St. Salvator
Neue Kirche, St. Crucis |
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| Nordstrand: |
Odenbüll, St. Vinzenz
Süden, St. Theresia
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| Friedhöfe: |
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| Untergegangene Kirchen: |
| Kirchen der Uthlande |
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