Küstenschutz |
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| Geschichte und Gegenwart Seit
Beginn des Deichbaus war Küstenschutz vordringliche Aufgabe
der örtlichen Bevölkerung. Verschiedene Rechtsmodelle zogen
jeden Grundbesitzer zur Deichpflicht heran. Die Organisation
des gesamten Deich- und Entwässerungsgeschehens lag bei örtlichen
Selbstverwaltungsorganen. Erst das massive finanzielle Eingreifen
des Staates in die Deicharbeiten im vorigen Jahrhundert führte
zur Ausbildung immer wirkungsvollerer überörtlicher Organe.
Gleichzeitig brachte die technische Entwicklung die Herausbildung
von Fachberufen, die nicht mehr nebenamtlich von den örtlichen
Landbesitzern ausgeübt werden konnten. Deshalb ist heute eine
Landes-behörde, das "Amt für Ländliche Räume", Abteilung
Küstenschutz in Husum für die Sicherheit der Westküste zuständig. |
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1. Gesamtsituation Küste |
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Die nordfriesische
Küstenregion besteht überwiegend aus Marschländereien
mit Schutzdeichen. Im Norden sind die drei Geestinseln
Sylt, Föhr und Amrum vorgelagert. Südlich davon schließen
sich die Marscheninseln Pellworm und Nordstrand
an, umgeben von einem Kranz kleinerer Halligen. |
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| Der Schutz der Inseln und Halligen ist,
gemessen an der Einwohnerzahl und der Wirtschaftskraft,
sehr teuer. Deshalb stellte man schon im vorigen Jahrhundert
Überlegungen an, den Küstenschutz zu reduzieren oder gar
teilweise einzustellen. Zum Glück setzten sich die Befürworter
von umfassenden Lösungen durch: Jede Insel, jede Hallig
dient als vorgelagertes Bollwerk für das Festland. Jede verlorene
Insel vergrößert die Fläche des anstürmenden Meeres. Heute
ist man soweit, daß man einzelne Gebiete eindeicht, ohne
Aspekte der Landnutzung zu berücksichtigen, nur um den
Strömungsraum der See zu verkleinern. |
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2. Die Deiche |
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| Die ursprünglichen
Siedler in den südlichen "Uthlanden"
Nordfrieslands waren auf Deiche nicht angewiesen. Erst zwischen
1000 und 1200 nach Christi Geburt drang das Meer soweit vor,
daß ein Deichschutz für
die Wirtschaftsflächen nötig wurde. Diese Deiche entwickelten
sich infolge des ständig steigenden Meeresspiegels im Laufe
der Jahrhunderte, wobei zahlreiche Profile entstanden, die nicht
immer hielten, was man von ihnen erwartete. Die Arbeitstechnik
schritt nur langsam voran. Die Einführung der Schubkarre im
17. Jahrhundert galt lange als sensationelle Neuerung. Bis in
unser Jahrhundert hinein war Deichbau schwere körperliche Handarbeit. |
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| Heute hat modernste Technik den
Deichbau erobert. Riesige Saugbagger mit kilometerlangen
Rohrleitungen spülen den Sandkern moderner Deiche aus entfernten
Wattbereichen direkt in die Baustelle. Tonnenschwere Maschinen
und Fahrzeuge schaffen die Kleidecke heran und verteilen sie.
Kleine Gruppen von wenigen Facharbeitern sind heute in der Lage,
mehrere Kilometer Deich in einer oder zwei Sommerperioden neu
zu bauen oder zu erhöhen. |
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| Da Vordeichungen nur in Ausnahmefällen
zulässig sind, sind Deichbauten heute meist Deicherhöhungen.
Der steigende mittlere Nordseewasserstand (Anstieg 15 cm in
100 Jahren) muß aufmerksam beobachtet werden, um gegebenenfalls
rechtzeitig höhere Schutzbauten zu errichten. Durch den angestiegenen
Meeresspiegel wird aber auch die wellendämpfende Wirkung des
Vorlandes reduziert oder dieses geht verloren. |
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| Deiche müssen zu ihrer Sicherheit
regelmäßig gepflegt werden. Eine
gestörte Grasnarbe, Wühlgänge von Mäusen oder Kaninchen, Sackungen
und Trampelpfade der hier weidenden Schafe müssen laufend registriert
und umgehend beseitigt werden. Diese eher unauffällige Tagesarbeit
erhöht die Sicherheit der Bewohner und des bedeichten Landes. |
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3. Vorlandmanagement |
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| Überall, wo das Vorland Küstenschutzfunktion
hat, muß es systematisch gepflegt und bearbeitet werden: Der
steigende Meeresspiegel erhöht das Risiko des Kantenabbruchs.
Damit die Bremswirkung der Vorländereien gegenüber den anlaufenden
Wellen erhalten bleibt, muß das Vorland laufend mit anwachsen.
Beide Kriterien verlangen kontinuierliches Vorlandmanagement.
Wichtigste Arbeiten sind die Kantensicherung, die im Watt erfolgen
muß und Aufhöhungsarbeiten, das Grüppen. |
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| Auch im Vorland hat die ungestörte
Grasnarbe eine hohe Schutzfunktion. Beweidung gilt als effektivste Pflege der Grasnarbe.
Gleichzeitig dienen die Vorlandsgebiete als Reservoir zum Schneiden
von Grassoden. |
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| Zu Naturschutzzwecken werden immer
mehr Vorlandbereiche aus der Nutzung herausgenommen. Die Beweidung
führt nämlich zu einer starken Reduzierung der Artenvielfalt und damit auch zur Einschränkung
der natürlichen Strukturen. Herausnahme aus der Bewirtschaftung
heißt jedoch nicht Reduzierung des Küstenschutzes. Solche Gebiete
stehen unter ständiger Beobachtung. Wo Schäden eintreten, die
die Schutzfunktion der Vorländer gefährden, greifen die Mitarbeiter
des Amtes für Ländliche Räume in Absprache mit dem Nationalparkamt
ein. |
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4. Buhnen- und Lahnungsbau |
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| Die Sicherheit der Deiche bedingt die Sicherung
der Vorländer. Die Vorländer werden jedoch im Watt selber geschützt.
Zu diesem Zweck werden Lahnungen und Buhnen angelegt.
Diese Wellenbrecher im Wattenbereich führen zu Strömungsberuhigungen
und damit zu vermehrtem Absetzen von Sinkstoffen. |
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| Die Deichsicherung durch Fußbermen
(Steinkanten), der Schutz der Halligen, das Vorlandmanagement
und die Anlage von Buhnen und Lahnungen bilden eine große zusammenhängende
Planungstruktur. Sie dienen zur Verhinderung von Schäden durch
die Strömungen des Wassers. Diese Strömungesverläufe müssen
kontinuierlich beobachtet werden. |
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5. Strömungsdynamik |
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| Das Wattenmeer mit seinen regelmäßig
trocken fallenden Flachwasserzonen, seinen Prielen und Tiefs
ist ein System höchst dynamischer Bewegungsabläufe. Dabei werden
beträchtliche Mengen an Materialien bewegt. An einer Stelle
trägt das Meer ab, an anderer baut es auf. Diese Veränderungen
beeinflussen die Küstenstruktur und ihre Sicherung. Deshalb
sind langfristige Kontrollen und Meßserien
Grundlage für jede weitere Planung. |
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| Das meiste Wasser bewegt sich
in den großen Tiefs. Diese führen es bei Flut heran und transportieren
es bei Ebbe wieder in die offene See. Dabei ist die Ebbe aber
nicht einfach die Umkehrung der Flut. Statt dessen entstehen
oft Ringströme. |
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| Wenn Erosionserscheinungen infolge
von Ringströmen bedenklich werden, müssen umfassende Maßnahmen ergriffen werden. Ringströme kann man am
wirkungsvollsten mit Verbindungsdämmen stoppen, die den Strom
genau in ihren Scheitelpunkten absperren. Bei einer Reihe von
Halligen ist das schon geschehen, ebenso bei Nordstrand und
Sylt. Die Dämme führen dann sogar zu einem erheblichen Anwachs. |
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| Auch kleinere Maßnahmen werden
laufend durchgeführt. So dient ein Versuch der Muschelansiedlung
dazu, einen Prielverlauf beziehungsweise
ein küstennahes Wattgebiet zu stabilisieren. |
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