Die Geschichte Pellworms beginnt lange bevor hier
eine Insel existierte. Allerdings heißt hier lange etwas anderes
als in vielen anderen Regionen Deutschlands. Wir betrachten sowohl
erdgeschichtlich als auch kulturgeschichtlich recht kurze Zeiträume.
Diese Region weist eine hohe Dynamik auf und diese Dynamik prägt
das Leben der Menschen in ihrem Alltag bis heute.
Zwei Menschen besuchen kurz hintereinander Pellworm:
Der eine ist mit der Fähre über eine weite Wasserfläche
angefahren gekommen, wurde regelrecht im Meer ausgesetzt und musste
auf einem Damm kilometerweit fahren, bis er die Insel erreichte.
Der Andere, sechs Stunden später von Nordstrand aufgebrochen,
fuhr auf einem schmalen Fluss durch eine weite Schlickwüste
und erlebte die Gegend als weitgehend wasserfrei und unwirtlich.
Beide haben die selbe Landschaft erlebt, der eine bei Hohlebbe,
der andere bei Hochflut. In sechs Stunden und 25 Minuten ändert
sich nicht nur das Bild, sondern auch die Energie der Bedrohung:
Sie sind über einen großen Meeresarm gekommen, der in
seinem Bett bei jeder Tide mehr Wasser bewegt, als Rhein und Maas
in ihrer Mündung in 24 Stunden ausspucken, also als in ganz
Mitteleuropa abregnen. Dieser Meeresarm ist noch keine 1000 Jahre
alt und weist an seinen Rändern zahlreiche Kulturspuren untergegangenen
Lebens auf.
Wie kommen solche rasanten Änderungen zustande
und was verursacht sie? Wieso lassen sich Menschen in solch einer
riskanten Gegend nieder und krallen sich bis heute an diesen, oft
sehr feuchten, Boden? Wieso haben sich die heutigen Inseln Amrum
und Pellworm, die etwa gleich groß sind, so völlig verschieden
entwickelt? Und wo geht diese Entwicklung in den nächsten Jahrzehnten
hin? All diese Fragen werden uns heute beschäftigen.
Lassen Sie uns vor etwa 200.000 Jahren beginnen. Erdgeschichtlich
ein sehr kurzer Zeitraum, verglichen mit der Entstehungsgeschichte
der Mittelgebirge, die 300 Millionen Jahre oder der Alpen, die 60
Millionen Jahre andauert. Damals hielt die vorletzte Eiszeit, die
Saale- oder Riß-Eiszeit, Europa in ihren Klauen. Die Eisgrenze
verlief etwa da, wo heute das eigentliche Meer beginnt: An der Zehn-Faden-Linie.
Diese Linie ist die Grenze zwischen dem Wattenmeer und der offenen
See. Sie liegt etwa 15 bis 20 km westlich von hier. Dort setzte
das Eis Endmoränen ab, lange und hohe Sandwälle aus mitgeschobenem
und zerkleinertem Gestein Skandinaviens. Die Nordsee war ein leerer
begehbarer Raum, denn in den mehrere 1.000 m hohen Eismassen waren
große Teile des Oberflächenwassers der gesamten Erde
gebunden.
Es dauerte Jahrzehntausende, bis das Eis abgeschmolzen
war. Vor etwa 100.000 Jahren gab es in diesem Gebiet einen Meerbusen,
das Eem-Meer. Er war nach Norden geöffnet, im Westen lagen
ja die Endmoränen der Eiszeit und bildeten eine Barriere. Klima
und Wassertemperatur glichen eher denen des heutigen Mittelmeeres,
man könnte fast ein wenig neidisch werden. Das Eem-Meer war
voller quirlenden Lebens und recht seicht. Es bildeten sich fruchtbare
Ablagerungen aus Tier- und Pflanzenresten im Untergrund. Aber auch
diese Warmphase war vorübergehend. Vor 25.000 Jahren hatte
eine weitere Eiszeit, die Weichsel- oder Würm-Eiszeit ihren
Höhepunkt erreicht. Wieder war die Nordsee trocken gefallen,
wieder waren weite Teile des Oberflächenwassers im Eis gebunden.
Diesmal verlief die Eisgrenze weiter östlich: Auf dem Höhenrücken
des schleswigschen Festlandes, etwa da, wo heute die Autobahn 7
von Hamburg nach Flensburg verläuft. Das Schmelzwasser der
Gletscher lief nach Westen ab, hier in diese Region. Es entstanden
zahlreiche Urstromtäler, die in Ost-West-Richtung ausgerichtet
waren. Dabei wurden die fruchtbare Ebene als Überbleibsel des
Eem-Meeres und die Endmoränen der Saale-Eiszeit zerschnitten.
Es entstand eine Landschaft mit Höhenunterschieden von bis
zu 70 m.
Damals sind wohl auch die ersten Menschen in diese
Region eingesickert. Sie lebten nördlich von hier, auf den
Sandkernen der Moränen: Sylt und Amrum weisen zahlreiche Spuren
der Steinzeit auf, aber auch bei Gröde hat man eine ganze Steinschmiede-Werkstatt
gefunden. Dies Menschen unternahmen weitreichende Jagdkampagnen,
noch heute finden Fischer auf der Doggerbank in ihren Netzen Überreste
dieser Jagdzüge. Hier um Pellworm lassen sich aber keine Spuren
nachweisen. Höchstens ein verdrifteter Steindolch oder eine
Pfeilspitze tauchen hin und wieder im Watt auf. Aber bei all den
Änderungen der letzten Jahrtausende, die hier deutlich größer
waren als auf den Geestinseln, sind viele Spuren verwischt. Wir
wissen von keiner steinzeitlichen Besiedlung des Pellwormer Raumes
und haben wenig Chance, davon zu erfahren.
Mit dem Abschmelzen der riesigen Eismassen über
Nordeuropa füllte sich die Nordsee wieder mit Wasser. Dieser
Anstieg verlief zuerst sehr schnell, mehrere Meter waren es pro
Jahrhundert. Bald erreichte die Küstenlinie die Urstromtäler
und brandete gegen die dazwischen liegenden Sandkerne der Endmoränen.
Die Täler füllten sich mit extrem feinem Schlick, die
Endmoränen wurden zu langen Nehrungen auseinander gezogen und
bildeten eine durchgehende Küstenlinie. Das war die Situation
um etwa die Zeit von Christi Geburt. Anscheinend kam der Anstieg
des Meeres damals zum Stehen. Das gesamte heutige Wattenmeer bildete
eine Ebene, die durch die Sanddünen im Westen geschützt
und nicht mehr bedroht war. Der Nordteil mit seinen Höhenrücken,
den heutigen Inseln Röm., Sylt, Föhr und Amrum, war von
Angeln und Sachsen besiedelt. Diese verließen aber anscheinend
das Land in der Völkerwanderungszeit fast vollständig,
um nach England überzusetzen. Der Südteil der Ebene war
wesentlich unwirtlicher: Da das gesamte Regenwasser des schleswigschen
Festlandes nach Westen strömte, im Westteil der Ebene aber
keinen Abfluss fand, gab es wohl nur eine einzige Entwässerung:
Einen Fluss, der sich von nördlich der Halligen fast ohne Gefälle
bis zur Eider durchschlug. Er und seine Nebenbäche mäandrierten
stark, setzten in jeder Kurve von der Geest mitgebrachten Sand und
Geröll ab, und veränderten fast jährlich ihren Lauf.
So entstanden zahlreiche Uferwälle, die um ein bis eineinhalb
m über die Ebene hinausragten. Die übrigen Gebiete vermoorten,
es entstanden weite feuchte Niederungsgebiete, die durch Torfbildung
langsam aufwuchsen. Dabei entstanden Torfflötze von einer Mächtigkeit
von bis zu 2 m, meist aber nur von wenigen Dezimetern.
Die aufgefüllten Urstromtäler, die dazwischen
liegenden Höhenrücken, die Betten der Flüsse und
Bäche, die Uferwälle und die Moore, sie alle strukturierten
diese Landschaft extrem kleinräumig. Wir sind bei Bohrungen
immer wieder verblüfft, wie schnell sich der Untergrund in
seiner Schichtung schon nach wenigen hundert m ändert. Bis
heute muss jeder Bauherr mit Schwierigkeiten rechnen. So wurde beim
Bau der Mutter-Kind-Kurklinik festgestellt, dass das Baugelände
über einem verlandeten Priel liegt. Es mussten Pfähle
in den Grund gerammt werden, die den Bau verteuerten. Diese Probleme
hatte man beim Bau des direkt daneben liegenden Schwimmbades nicht
gehabt. Aber keiner konnte diese Strukturunterschiede des Untergrundes
vorhersagen.
Nun wechseln wir den Schauplatz: Europa im frühen
Mittelalter. Das Römische Reich ist zerschlagen, Zentraleuropa
weitgehend von Germanen besiedelt. Nach der Völkerwanderungszeit
etablieren sich nach und nach größere Reiche. In der
Mitte die Franken, die unter den Merowingern und Karolingern ihre
Macht immer weiter ausdehnen. Das müssen wir uns recht blutig
vorstellen. Machterweiterung und Christianisierung gingen dabei
Hand in Hand, sie waren Ergebnisse alljährlicher Plünderungszüge.
Europa war beileibe kein erbauliches Reiseland. Die antiken Verkehrswege
waren verfallen, weite Bereiche hochgradig rechtsunsicher. Aber
es gab Handel, auch weitreichenden Fernhandel. Beliebtes Gut waren
Sklaven, die bei den Feldzügen reichlich anfielen. Aber auch
Luxusgüter wurden angehäuft, da es komplizierte Formen
der Rechtsbindung gab: Ein Herrscher hatte Vasallen, die ihm zu
Treue und Gefolgschaft verpflichtet waren. Er wiederum war ihnen
gegenüber zu einer Freigebigkeit verpflichtet, die ihn sofort
in den Ruin geführt hätte, hätte er nicht ununterbrochen
seine Nachbarn ausgeplündert. Uns erscheint diese Struktur
der Personenverbände aus heutiger Sicht wie eine pubertäre
Banden- und Cliquenwirtschaft Dreizehnjähriger. Damit liegen
wir gar nicht so falsch, denn über die Hälfte der Einwohner
Europas waren Kinder und Jugendliche.
Vom Ural bis zum Atlantik gab es wahrscheinlich unter
30 Millionen Menschen in diesem Europa, aber selbst für diese
bot der Kontinent nicht genügend Nahrung. Weite Gebiete waren
von Wald bedeckt. Siedlungsflächen bildeten verlorene Inseln
in diesen Wäldern. Straßen waren selten, Pferde und Mulis
die einzigen Landtransportmöglichkeiten. Tagesmärsche
von dreißig km oder weniger waren die Regel, falls man nicht
ausgeraubt und so am Weiterreisen gehindert wurde. 50 % der Kinder
starben vor dem Erreichen des 10. Lebensjahres, Ernteerträge
lagen bei 2 zu eins, richtiges Pflügen oder gar Düngen
des Bodens waren weitgehend ungebräuchlich. Viele Menschen
ernährten sich im Frühjahr und Frühsommer von einer
äußerst primitiven Sammelwirtschaft. Hungersnöte
waren an der Tagesordnung, gleichzeitig gab es einen Fernhandel
mit gehobenen Lebensmitteln für die hauchdünne Oberschicht.
Es war wirklich keine Zeit, in der unsereiner hätte leben wollen.
In dieser Zeit lebte im Bereich der damaligen Rheinmündung
ein Volk, das offensichtlich recht hoch organisiert war. Die Friesen.
Sie hatten sich dort wohl schon in der Antike angesiedelt, eine
differenzierte Wasserbautechnik entwickelt und holten aus den hervorragenden
Schwemmböden der Marschlande heraus, was herauszuholen war.
Wasserbau ist keine Einzelaufgabe, er verlangt Kontinuität
und die gemeinsame Organisation von Personenverbänden unter
einem Recht. Sonst ist er nicht durchzuführen. Die Friesen
erzeugten unter diesen Bedingungen auf ihren landwirtschaftlichen
Flächen anscheinend so reichliche Überschüsse, dass
sie in einem ständig vom Hunger bedrohten Europa begannen,
Handelskampagnen durchzuführen. Zuerst fuhren sie im Sommer
mit einzelnen Hofbesatzungen zwischen Aussaat und Ernte mit ihren
Überschüssen los, um diese in der weiteren Nachbarschaft
loszuwerden. Transportmittel waren kleine aber seetüchtige
Schiffe. Die Besatzungen bestanden aus wenigen Männern. Das
erwies sich jedoch schnell als uneffektiv. Je entfernter die Märkte,
um so größer die Gewinne. Und man konnte nicht gleichzeitig
den Hof bewirtschaften und auf Fahrt gehen. Also entwickelte sich
eine Arbeitsteilung, es entstanden Bruderschaften von Händlern
und Kaufleuten, die ganz Europa bereisten. Die Zeit der Karolinger
benannte den Fernhandelskaufmann mit einem Namen: Der Friese. Hier
wurde eine Stammesbezeichnung zur Berufsbezeichnung.
Sie alle kennen die Kampfboote der Wikinger aus dieser
Zeit: Lang, sehr schlank und wendig. Die Zuladung war gering, der
Vortrieb erfolgte über Rahsegel oder Ruder. Das führte
dazu, dass die Bordwände niedrig waren, damit man nicht zu
lange Ruder benötigte. Die Boote hatten einen Kiel, konnten
damit wie auf einer Kufe auf flache Ufer und Strände auflaufen.
Aber die Zuladung war gering, der Personalbestand sehr hoch. Es
waren eben Kampfmaschinen und keine Lastesel.
Die Friesen hatten für ihre Handelsreisen einen
völlig anderen Bootstyp entwickelt: Breit, hochbordig und mit
flachen Böden. Einziger Vortrieb war das Segel, nur in Ufernähe
oder im Hafen wurde gerudert oder gestakt. Das Tempo war gering,
durchschnittlich zwei bis drei Knoten Reisegeschwindigkeit. Damit
lag sie aber noch höher als das Tempo eines Fußgängers
in schwierigem Gelände. Die Zuladung war recht gut, ein 20
m langes Schiff nahm 20 bis 40 t Last mit. Der flache Boden erlaubte
das Trockenfallen, ohne dass das Schiff umkippte. Allerdings benötigte
man für den geregelten Warenumschlag Hafenanlagen mit senkrechten
Kaimauern, an denen die Boote festmachen konnten. Da offizieller
Handel aber sowieso an festgelegte Stapelplätze gebunden war,
konnten diese auch mit Hafenanlagen ausgerüstet werden. Die
Handelskampagnen dauerten oft mehrere Jahre mit Überwinterungen
in eben solchen Häfen.
Bug und Heck dieser kleinen Schiffe waren hochgezogen
und enthielten je eine Plattform. Diese Plattformen dienten als
Kastelle, erhöhte Verteidigungsplätze. Gleichzeitig boten
die überdachten Räume unter ihnen der Besatzung und dem
wertvollen Teil der Ladung Wetterschutz. Aus diesen Plattformen
entwickelten sich mit der Zeit die Vorder- und Achterkastelle der
frühen Koggen, denn man hatte erkannt, dass die Verteidigung
gegen schnelle Räuber am besten von oben erfolgte. Die Besatzung
dieser Schiffe war klein, vier bis fünf Leute reichten, um
das Boot über lange Strecken in Bewegung zu halten und zu manövrieren.
Die Friesen dominierten den Englandhandel, stießen
in die Biscaia vor und erreichten die gesamte Nordseeküste
bis Norwegen. In vielen Binnenstädten an den großen Flüssen
Europas weisen Friesenstraßen darauf hin, dass auch dort die
Händler mit ihren Schiffen aufliefen. Über die Eider,
die Treene und die Schlei gab es eine Fernhandelsstraße in
die Ostsee, die nur von einem kurzen steigungsarmen Landweg von
14 km unterbrochen war. Wir wissen, dass vereinzelt ganze Schiffe
über diesen Landweg gezogen worden sind, der die Umgehung des
auch im Sommer oft stürmischen und tückischen Skageraks
erlaubte. Aber schnell entstanden im 8. Jh. Umschlaghäfen in
Hollingstedt an der Treene und in Haithabu an der Südseite
der Schlei. Inzwischen waren aus den kleinen Händlergruppen
wohl organisierte Kopagnien entstanden, die oft mehrere Schiffe
in den verschiedenen Gebieten unterhielten. Man fuhr von Dorestad
in der damaligen Rheinmündung nach Hollingstedt, ging mit den
Waren über Land nach Haithabu und bestieg dort ein weiteres
Schiff, das dort bereit lag. Einzelne Mitglieder der Kompagnien
nahmen ihren Winterwohnsitz in den bevorzugten Häfen. Über
die Ostsee ging es nach Gotland, einer bedeutenden Handelsinsel,
oder nach Nowgorod im Raume Petersburg. Hier bestand Anschluss an
den Fernhandel des heutigen Russlandes, Weißrusslands und
der Ukraine, der bis in den Orient reichte. Waren von Byzanz in
das karolingische Aachen gingen diesen Weg, da er sicherer war,
als der direkte Handel über das piratenverseuchte Mittelmeer.
Der Anstieg der Nordsee und die karolingische Expansion
verdrängte viele Friesen aus ihren Stammgebieten im Bereich
des heutigen Westfrieslandes. Mit Sack und Pack flohen sie auf ihren
kleinen Schiffen die Fernhandelsstraßen entlang. Hier im südlichen
Wattenmeer eröffnete sich eine menschenleere Landschaft an
den Ufern eines Nebenflusses der Eider, der Hever. Das Land war
unwirtlich und feucht, aber die Friesen kannten sich aus im Wasserbau.
Sie nutzten die zahlreichen Uferwälle zur Anlage ihrer Einzelgehöfte
und Reihensiedlungen. Hochgelegene Ackerflächen und tiefer
gelegene Viehweiden erlaubten eine sehr erfolgreiche Landwirtschaft.
Trinkwasser boten die zahlreichen Flüsse, es gab Torf zum Heizen
und Feuern, der Speiseplan konnte mit Fischen ergänzt werden.
Aus der Siedlung Elisenhof auf Eiderstedt, an der Mündung der
Hever, wissen wir, dass die Höfe aus langgestreckten Häusern
mit Wohn- und Stallteil bestanden und neben einer Familie mit mehreren
Personen auch bis zu 30 Stück Großvieh Raum boten. Die
Felder wurden nicht nur aufgebrochen, sie wurden schon um die Jahrtausendwende
beim Pflügen umgewendet. Es gab Pferde, Rinder Schweine, Schafe,
Ziegen, Hühner und Gänse. Weizen, Roggen, Gerste, Hafer,
Bohnen und Kohl wuchsen auf den Äckern und in den Hausgärten.
Der Torf wurde ausgegraben und beseitigt, wo er beim Pflügen
störte. Man kannte die positive Wirkung der Düngung mit
Stallmist. Und das erste Butterfass Europas, das gefunden wurde,
stammt von Elisenhof. Die Menschen waren auf dem Stand ihrer Zeit
und erwirtschafteten auch hier einen Überschuss, der es ihnen
erlaubte, Waren aus ganz Europa einzutauschen.
Auf Pellworm werden allein zwölf solcher Flachsiedlungen
aus dem 8. und 9. Jahrhundert vermutet. Spuren einer weiteren fanden
sich westlich von Hooge. Bisher wurden diese Siedlungen leider erst
sehr oberflächlich erforscht, lassen also nur wenig Rückschlüsse
zu. Wichtig ist jedoch, dass die Besiedlung der Region von Westen
nach Osten verläuft: Die Gebiete am Fuß der Geest waren
zu Hochmooren aufgewachsen, die außen liegenden „Uthlande“
offensichtlich siedlungsfreundlicher.
Irgendwann zwischen 1000 und 1100 scheint eine große
Katastrophe geschehen zu sein. Die Quellenlage ist dünn, so
dünn, dass man bis vor dreißig Jahren annahm, dass die
ersten Menschen überhaupt erst in dieser Zeit eingewandert
seien. In dieser Zeit muss die See den durchgehenden Dünnwall
im Westen durchbrochen haben. Im Bereich eines der zugeschlickten
Urstromtäler, wahrscheinlich südlich oder nördlich
des heutigen Süderoogsandes, drang das Meer ein. Die Geburtsstunde
der Norderhever als Meeresarm hatte geschlagen. Die Auswirkungen
waren immens. Plötzlich lagen die bis dahin binnenländischen
Gebiete im Raum Pellworms im Einflußbereich der Gezeiten.
Grund- und Oberflächenwasser wurden brackig, das Trinkwasser
knapp. Niedrig gelegene Weideflächen, ja die höher gelegenen
Äcker waren von Salzwasser bedroht und die Vegetation änderte
sich. Das einströmende Meer riss sich überall da tiefe
Schneisen, wo der Boden weich und feinkörnig war. Die Siedlungsbedingungen
änderten sich innerhalb weniger Jahre. Alles sprach dafür,
dass der Mensch das Gebiet wieder aufgeben musste.
Aber etwas ganz Anderes passierte: Sprachforschungen
haben ergeben, dass gerade in dieser Zeit eine weitere Einwanderungswelle
von Friesen einsetzte. Der dänische Chronist Saxo Grammaticus
berichtet 1170, dass „Klein-Friesland“ weitgehend eingedeicht
sei. Gleichzeitig entstehen zahlreiche Warften, die Hügel,
auf denen die Bauerngehöfte der Uthlande stehen. Auch die Christianisierung
hatte ab Mitte des elften Jahrhunderts flächendeckend eingesetzt.
Wie passt das alles zusammen?
Wir sind auf Spekulationen angewiesen, diese aber erscheinen
recht plausibel. Offensichtlich lebten in der Landschaft südlich
der Geestinseln Föhr und Amrum zahlreiche Menschen, die recht
gut in Personenverbänden organisiert waren. Altbewohner und
Neusiedler kannten sich gut aus im Wasserbau und die Familien oder
Clans begannen, ihre Ackerflächen innerhalb weniger Jahre in
Gemeinschaftsarbeit durch niedrige Sommerdeiche zu sichern. Die
Höfe wurden auf Warften verlegt, die gleichzeitig Regenwasserzisternen
für Menschen und Vieh enthielten. Die ersten Niederschriften
des damals geltenden Rechts datieren erst von 1426, waren aber über
Jahrhunderte mündlich überliefert worden. Sie wurden erst
aufgeschrieben, als sie durch den wachsenden Einfluss der Dänischen
Könige bedroht waren. Interessanterweise, bestehen sie zu 2/3
aus Definitionen von Verwandschaftsgraden. Damit wird ein äußerst
präzises Erbrecht definiert. Das erscheint sinnvoll in einer
Gesellschaft, die auf Mitarbeit aller Mitglieder in der Landessicherung
angewiesen war. Landbesitz war Deichpflicht, wie sie in den gleichzeitig
notifizierten Deichrechten festgelegt wurde. Da war oft keine Zeit,
im Sterbefalle langwierige Erbfolgestreitereien abzuwarten. Durch
die genauen Regelungen der Verwandschaftsgrade waren Erbgänge
und damit Verantwortlichkeiten für die Deichpflicht innerhalb
kürzester Zeit geklärt.
Bis ins späte Mittelalter war die Blutrache und
Sippenhaftung in der Region üblich. Aber selbst direkte Sanktionen
gegen Leib und Leben von Übeltätern wurden ausgesetzt,
wenn der Deichfrieden oder die Deichsicherheit es verlangten. Selbst
der Kirchenfrevel war dann nachrangig. Erst der Deich, dann das
Land und dann Gott und die Menschen, das waren die Prioritäten
dieser Zeit und sie wurden anscheinend rigoros aufrecht erhalten
und durchgesetzt. Nur so hatten die Menschen gegen das ständig
näher rückende und steigende Meer eine Chance.
Auf Pellworm entstanden die ersten Warften im ausgehenden
11. oder im 12. Jahrhundert. Insgesamt haben sich knapp 150 Warften
erhalten, davon sind etwa 2/3 bis heute bewohnt. Gleichzeitig wurden
die wichtigsten Anbauflächen eingedeicht und zwar, im Gegensatz
zu Hooge, großflächig. Auf Hooge umfassen die Deiche
Gebiete von ein bis zwei Hektar, also Gärten oder kleine Felder
von einzelnen Höfen. Auf Pellworm waren die Köge von Anfang
an mehrere 100 Hektar groß, konnten also nur von gut organisierten
Gemeinschaften erbaut und unterhalten werden. Am Schardeich hat
man einen Schnitt erstellt und solch einen mittelalterlichen Deich
gefunden und vermessen: Er lag wohl mit seiner Sohle etwa 70 cm
über dem normalen Tidehochwasser und war etwa 1,30 m hoch.
Damit bot er Sicherheit für Wasserstände bis 2 m. Vermutlich
hatte er ein so weitflächiges Vorland, dass die bei Stürmen
anbrausenden Wellen sich weitgehend tot liefen. Die Sohlenbreite
betrug fast 8 m, damit entstand ein flach geböschtes Profil,
dass etwa unserer modernen Vorstellung von Deichsicherheit entspricht.
Diese Deiche boten während der Wachstumsperiode im späten
Frühjahr, im Sommer und bis zur Ernte Schutz. Im Winter wurden
sie öfters überflutet, blieben aber heil, da sie dem darüber
gehenden Wasser wenig Widerstand boten. Die konzentrierten Regenfälle
des zeitigen Frühjahrs und eine gute Entwässerung der
eingedeichten Flächen sorgten dafür, dass der Salzgehalt
des Bodens in erträglichem Rahmen blieb.
Mit der Maßnahme der großflächigen
Bedeichung hatte man sich aber selber den möglichen Untergang
vorprogrammiert: Der Meeresspiegel steigt seit etwa 1000 Jahren
wieder an. Unbedeichtes Land wird an den Kanten abgebrochen, wächst
aber bei jeder Überflutung auf. Die Gräser der Oberfläche
halten Schlick und Sand zurück. Hooge etwa zeigt an seinen
Abbruchkanten hunderte von 1-2 cm dicken Schichten, in denen die
ursprünglichen Deiche schlicht versunken sind. Das Binnenland
Pellworms jedoch blieb auf der Höhe der Jahrtausendwende. Schlimmer
noch: Es wurde abgesenkt! Ein Koog ist eine große flache Schüssel.
Um das Regenwasser zu entfernen, sind umfangreiche Entwässerungsgräben
nötig. Der schwere Marschboden, die Kleie, bindet jedoch fast
genau so viel Wasser, wie er selber an Substanz hat. Kontinuierliche
Entwässerung führt also zu Sackungen. Gleichzeitig grub
man den oberflächennahen Torf aus. Erst, weil er beim Pflügen
störte, das hatte man schon seit Beginn der Besiedlung gemacht.
Dann nutzte man ihn als Brennmaterial, weil Holz extrem knapp war.
Irgendwann stellte man fest, dass der Torf Salz enthielt. Deshalb
baute man im Sommer großflächig im Vorland und im Hohen
Watt Salztorf ab, und holte sich so das bewegte Wasser immer näher
an die Deiche.
Der Salztorfabbau bildete im Raum des südlichen
Wattenmeeres bis an die Südkante Föhrs einen wichtigen
Wirtschaftszweig. Dazu ging man im Frühjahr ins Watt, deichte
ein Gebiet von mehreren Hektar provisorisch ein und legte den Torfflötz
frei. Diesen trug man ab und verbrannte ihn in einer Salzsiederhütte.
Die entstandene Asche kochte man mit frischem Salzwasser auf, wobei
man den nächsten Torf als Feuerung nutzte. In den großen
Kesseln entstand so eine dicke dunkle Salzkruste, die neben dem
erwünschten Kochsalz (NaCl) auch andere, zum Teil bittere Salze
und Asche enthielt. Dieses dunkle Salz, das weniger zum Würzen
als zum Pökeln und Konservieren taugte, wurde in ganz Nordeuropa
verhandelt und bildete bis ins 17. Jh. einen Hauptexportschlager
der Uthlande.
Zu Ende des 12. Jh. stellte sich die Region als weitläufige,
von zahlreichen Prielen durchzogene, flächig besiedelte Landschaft
dar. An vielen Stellen gab es neben den Einzelgehöften und
Reihensiedlungen Siedlungsverdichtungen mit Kirche, Friedhof, Pfarrhaus
und den wichtigsten Gewerbe- und Handelsansiedlungen. Oft lagen
diese Verdichtungen in der Nähe der Siele. Siele sind Deichschleusen,
die der periodischen Entwässerung bei Niedrigwasser dienen
und das Eindringen der Fluten verhindern. Gleichzeitig erlauben
sie oft den Einlass von Schiffen oder sie liegen so, dass vor ihnen
geschützte Trichtermündungen liegen. Hier konnten Überschüsse
exportiert, fremde Bedarfsgüter importiert werden. Da die Uthlande
regelmäßig Nahrungsüberschüsse erzeugten, konnten
sie am Fernhandel teilnehmen.
Die Verwaltungsorganisation beruhte auf dem System
der Harden. Eine Reihe von Kögen, oft mehrere Kirchspiele,
bildeten eine Harde, die sich weitgehend selbst verwaltete. In diesem
Zusammenhang taucht der Name „Pellworm“ zum ersten Mal
als Pylwerrem Harde auf, er umfasste aber ein bedeutend größeres
Gebiet als die heutige Insel. In den einzelnen Harden gab es Ratsversammlungen,
die in Zivil- und Strafrecht über die Einwohner ihres Gebietes
urteilten. Auch die Sicherung der Deichgerechtsamkeit wurde von
den Deichversammlungen der Harden durchgeführt. Es gab natürlich
starke soziale Gefälle innerhalb der Bevölkerung. Damit
verbunden war auch die Berechtigung, Ratsmann, Deichrichter oder
–geschworener zu werden. Aber diese Gefälle beruhten
nicht unbedingt auf Familienzugehörigkeit oder Klasse sondern
auf wirtschaftlicher Potenz. So stiegen tüchtige Familien mit
dem Ausbau ihres Grundbesitzes auf zu höchsten Ämtern,
andere verarmten und verschwanden aus den Listen der Funktionsträger.
Das System war nicht in unserem Sinne demokratisch, aber es war
bedeutend weniger feudalistisch als die Gefolgschaftssysteme vieler
anderer Regionen Europas.
Zur Missionierung und Christianisierung gab es im 11.
Jh. ein Missionsbistum Farria. Wir wissen nicht genau, wie „Farria“
zu lokalisieren ist. Die ältere Forschung vermutet Helgoland
hinter diesem Namen, das ursprünglich Forsetisland hieß
und bedeutende vorchristliche Heiligtümer trug. Pastor Adam
jedoch zieht nach ausgiebigen Forschungen die Verbindungen zu Föhr
als Farria. Damit gäbe es ein Missionszentrum unmittelbar im
Kernbereich der Uthlande. Der Name der Hauptkirche St. Johannis
in Nieblum auf Föhr legt die Funktion dieser Kirche als Mutterkirche
nahe, da sie eine Täuferkirche ist. Aber diese Bistum mit seinen
extrem schwierigen Wegen könnte mehrere Hauptkirchen gehabt
haben. Neben dem Täufer Johannes war auch der Erlöser
Christus selber oft Hauptpatron von Missionszentren. St. Salvator
jedoch ist der Name der Alten Kirche auf Pellworm. So wäre
die Vorrangigkeit dieser Kirche für die gesamte Südregion
bis ins 19.Jh. zu erklären, so wäre auch die Größe
und besondere Massivität dieses Baues zu begründen.
Heimreich berichtet in seiner „Nordfresischen
Chronik“ Mitte des 17. Jh. von dem Gründungsdatum des
Turmes der Alten Kirche am „Urbanitag“ des Jahres 1095.
Eine Frau Pelle und ihre Tochter Worm hätten das Geld für
den Turmbau gegeben und damit den Namen für das Kirchspiel
gestiftet. Abgesehen davon, dass diese Namen für diese Gegend
absolut untypisch sind, erscheint die Sage unglaubwürdig, weil
bestenfalls das Kirchenpatronat und nicht der umgebende Verwaltungsbezirk
so festgelegt werden konnten. J. Schmidt-Petersen erklärt den
Namen, der in alten Unterlagen teils als Pell Werem wiedergegeben
wird, mit dem friesischen Ausdruck „An bewegten Wassern gelegen“.
Das klingt plausibler und greift zurück in die Besiedlungszeit,
in der erst die mit Schiffen erreichbaren Gebiete urbar gemacht
wurden.
Wichtig erscheint jedoch das präzise Gründungsdatum.
Heimreich gibt seine Quellen normalerweise nicht an. Auch hier nicht.
Aber bei einer grundlegenden Restaurierung von Chor und Apsis der
Alten Kirche im Jahre 1913 hat man angeblich unter dem Fußboden
ein sternförmiges Rost aus Eichenbalken gefunden, das das Fundament
eines hölzernen Vorgängerbaues gewesen sein könnte.
Der romanische Ostteil der Kirche wird anhand der Stilelemente auf
etwa 1180, damit könnte ein älterer Holzbau in die Zeit
von 1095 fallen. Der Turm mit seinen noch erkennbaren Elementen
nordischer Backsteingotik auf etwa 1280 geschätzt. Angeblich
sei er 100 Ellen, also knapp 60 m hoch gewesen. Das erscheint unglaubhaft,
da er dann mehr als das Doppelte der heutigen Höhe gehabt haben
muss. Als die Turmruine in den 70er Jahren des letzten Jh. eingerüstet
und gesichert wurde, hat das Landeskirchenamt die Mauerkrone untersucht.
Dabei wurde festgestellt, dass die vorhandene Mauerkrone zwar stark
verwittert, in ihrer Höhe aber nicht wesentlich reduziert zu
sein scheint. Der Landeskonservator Haupt hat im 19.Jh. eine Rekonstruktion
erstellt, die den Turm mit einer immensen Dachpyramide zeigt. Die
älteste uns bekannte Zeichnung finden wir auf der Witemarkschen
Karte von 1640. Obwohl der Turm fast 30 Jahre vorher eingestürzt
war, zeigt diese Karte ihn vollständig: Mit einem Zeltdach
und abgetreppten Giebeln. Damit ähnelt der Turm denen von Föhr
und erlaubt eine genaue Richtungserkennung über See. Diese
Türme dienten nämlich auch als Landmarken für die
Schifffahrt und mussten deshalb deutlich in Gestalt und Ausrichtung
identifizierbar sein.
Über den Einsturz des Turmes gibt Heimreich einen
anschaulichen Bericht: „Es ist aber der Turm Anno 1611 den
5. April Morgens zwischen 6 und 7 bei ganz stillem Wetter an der
Ostseite ganz eingerauset und hat ein gut Teil der Kirche mit zerschlagen.“
Das Dach des Turmes war merkwürdiger Weise stehen geblieben
und musste am nächsten Tag mit eiligst gebauten Seilwinden
herab geholt werden, um nicht bei einem eventuellen Absturz weiteren
Schaden anzurichten. Das Kirchenschiff wurde leicht verkürzt
wieder aufgebaut, die Westwand mit den Steinen des Turmes verschlossen.
Der Turm wurde nie wieder rekonstruiert, er diente lange Zeit als
Lieferant für die Fundamentsteine zahlreicher Pellwormer Gebäude.
Gleichzeitig beriefen sich die Pellwormer auf die Kosten für
den Erhalt der Ruine als Seezeichen, wenn ihnen „Tonnengeld“,
also Steuern zur Kennzeichnung der Wasserwege im Watt, abverlangt
wurde. Sie hätten die markante Ruine, täten also genug
für die Seefahrt.
Doch bleiben wir zunächst weiter im Mittelalter,
der Zeit zwischen den Eindeichungen des 12. Jahrhunderts und der
Reformation. Die Quellen sind spärlich, aber die Forschung
der letzten 25 Jahre hat einiges Licht in dieses Dunkel gebracht:
Die Pellworm Harde, politisch ziemlich eigenständig und als
eigene Körperschaft vertrags- und rechtsfähig, lag inmitten
anderer Gebiete und war mit Schiffen erreichbar. Südlich von
ihr, da wo heute Südfall liegt, war die Edomsharde. Der Grund
war mooriger als der Pellworms, hier setzte die Besiedlung wohl
erst im 12. Jahrhundert ein. Auch dort wurde gedeicht, Torf abgegraben
und entwässert. Aus einigen wenigen Urkunden wissen wir, dass
der Hauptort Rungholt hieß, eine Hauptkirche sowie eine eigene
Gerichtsbarkeit besaß. Die Forschungen von Andreas Busch,
einem Nordstrander Bauern haben ergeben, dass wir uns unter Rungholt
eine dörfliche Struktur mit Höfen und Reihensiedlungen
vorstellen müssen. Die Menschen waren wohlhabend, aber nicht,
wie es die Sage behauptet, unermesslich reich. Zwei- bis dreitausend
Einwohner hatte die Edomsharde.
Der Standort litt jedoch an einem für die Bewohner
nicht erkennbaren Standortnachteil: Er lag über einem der zugeschlickten
Urstromtäler. Damit war der Untergrund äußerst instabil.
Außerdem lag er in der Hauptstoßrichtung der sich neu
bildenden Norderhever. Die Edomsharde verdankte zwar ihren Reichtum
dem günstig gelegenen Hafen, der damit verbundene Hauptpriel
weitete sich jedoch immer weiter aus und gefährdete die Deiche.
In der Groten Mandränke von 1362 wurden diese zerschlagen und
weite Teile der Harde gingen verloren. Allerdings versank keine
reiche Kaufmannsstadt in einer Nacht in den Fluten. Neben den Verlusten
der Deiche und zahlreicher Menschenleben wurde die Infrastruktur
zerstört: Die Wege, Entwässerungsgräben, die Kirche,
der Hafen und die meisten Äcker wurden Raub der Wellen. Noch
bis 1480 lassen sich halligähnlich wirtschaftende Strukturen
im ganzen Bereich südlich Pellworms nachweisen und ein Rest
ist ja bis heute in der Hallig Südfall erhalten. Allerdings
ist diese bei jeder Überflutung aufgeschlickt und liegt heute
mehrere m über dem ursprünglichen Siedlungsniveau.
Selbst das Gebiet des heutigen Pellworm blieb von Meereseinbrüchen
nicht verschont, obwohl es auf der Pellworm Plate, einem sandigen
Höhenrücken der Eiszeit liegt: So entstand das Waldhusen-Tief
als spätmittelalterlicher Meereseinbruch. Im 15. Jahrhundert
war Pellworm sogar für fast 80 Jahre vom übrigen Strand,
der zentralen Insel der südlichen Uthlande getrennt und konnte
erst Mitte des 16. Jh. wieder angedeicht werden. Der Durchbruch
lag im Gebiet der heutigen Norderköge und musste Stück
für Stück wieder gewonnen werden. Damit blieben Deichbau
und Deichpflege wesentliche Aufgaben für die Gemeinschaft und
hatten große Auswirkungen auf den Reichtum der Region.
Trotzdem gab es in Phasen der relativen Sicherheit
immer wieder große wirtschaftliche Blüten in der gesamten
Region. Deshalb bestand von Seiten der Dänischen Könige,
die die Uthlande als ihr Einflussgebiet sahen, ein Interesse an
Machtausübung und –sicherung. Aber die Beziehung war
ambivalent: Friesen unterwarfen sich bei der Einwanderung, entwickelten
aber aufgrund der Verkehrsferne ein eigenes Rechtsgefüge vom
Strafrecht über Zivilrecht bis zum Deichrecht. Als König
Erich IV. 1241 das Jydske Lov erließ, galt dieses nicht für
die Uthlande. Dort etablierte sich ein auf Ratsmannstrukturen basierendes
Rechtsgeflecht, das mündlich überliefert wurde und erst
1426 aufgeschrieben wurde, als man fürchtete, es könne
von der Zentralgewalt geändert oder außer Kraft gesetzt
werden.
Die Auseinandersetzungen um den Dänischen Thron
und die Kämpfe um die Einflussgebiete verschiedener Fraktionen
der herrschenden Familien waren oft blutig und grausam: Brudermord
oder Aufstände waren häufig. Immer wieder ergriffen die
Uthlandsfriesen Partei, kämpften mal für den König
gegen die Dithmarscher, mal gegen den König mit den Eiderstedtern.
Neben der Verkehrsferne und dem unwegsamen Gelände führte
auch die Verantwortung dem Deich gegenüber dazu, dass die Einheimischen
möglichst vor Ort und Fremde außen vor blieben. Man ließ
sich Parteilichkeit mit Privilegien bezahlen, sorgte aber auch dafür,
dass die Zentralgewalt nicht zu übermächtig wurde. So
gehörte die Befreiung vom Militärdienst faktisch bis 1867
zu diesen Privilegien, die erst die Preußen abschafften. Ähnlich
war es mit weiten Teilen des Zivilrechtes, das erst mit der Einführung
des BGB um 1900 seine mittelalterlichen Sonderausprägungen
verlor.
Meine Damen und Herren, wie Sie bemerken, ist die Situation
im Mittelalter höchst kompliziert, ja manchmal undurchsichtig.
Das hängt mit einer ganzen Reihe von Faktoren zusammen: Die
Landschaft änderte sich von Jahr zu Jahr, der Mansch lag im
ständigen Kampf mit dem Meer. Oft wissen wir wenig oder nichts
von der geografischen Situation einer bestimmten Zeit. Wir spekulieren
sogar, ob ein bestimmter Ort zu einer bestimmten Zeit schon oder
noch existierte, und wenn ja, in welcher Ausdehnung, wirtschaftlichen
Potenz und Bevölkerungszahl. Dann fehlen uns kontinuierliche
Meldungen über die Organisation dieser Strukturen. Jeder scheint
hier mit jedem paktiert oder konkurriert zu haben. Auch internationale
Verträge wurden von einzelnen Harden geschlossen, bis hin zu
Bündnissen, die sich direkt oder indirekt gegen die unmittelbaren
Nachbarn richteten. Wir können nur sehr begrenzt abschätzen,
welche Gemeinschaften oberhalb der Koogsebene wirklich zusammenhielten
bei der Deichverteidigung. Letztendlich wissen wir nicht einmal
genau, wie viele Menschen mit welchem Erfolg hier in den Uthlanden
auf welchen Flächen wirtschafteten. All‘ das macht eine
umfassende Ermittlung der tatsächlichen Zustände schwierig,
wir bleiben auf Streiflichter und deren Interpretation angewiesen.
Viele von Ihnen haben an Wattwanderungen zu den Kulturspuren
teilgenommen. Man ist verblüfft, wie viele Spuren im Laufe
der Zeit auftauchen und wieder vergehen. Aber die Funde sind abhängig
von dem Zufall unterworfenen Freispülungen. Sie werden erst
seit begrenzter Zeit registriert. Das Absammeln der Funde erfolgt
bis heute oft zufällig. Dabei werden keine Standorte bestimmt,
die einfacheren und weniger kunstvollen Artefakte werden übersehen
oder nicht mitgenommen. Vieles kann nicht registriert werden, weil
die Finder sich nicht melden. Und bei allem fehlen nicht nur die
Gelder für die Forschung, es fehlt oft auch das Grundwissen,
um einen Fund überhaupt in seiner Bedeutung einzuordnen. Nur
wenige Leute sind wie Helmut Bahnsen in der Lage, nicht nur Altersbestimmungen
vorzunehmen, sondern dann auch zu entscheiden, ob es sich um Funde
handelt, die neue Aspekte der Forschung eröffnen. So manches
Stück liegt auf einem binnenländischen Kaminsims, das
hier neue Tore und Türen hätte eröffnen können.
Bezogen auf den Raum Pellworm läßt
sich folgendes Resümee für das Ende des Mittelalters ziehen:
Die Pellworm-Harde war größer als die heutige Insel,
sie umfasste auch später untergegangene Gebiete im Norden und
Nordosten. Sie war zeitweilig abgeschnitten von der Alten Insel
Strand, die von Pellworm über Nordstrandisch-Moor nach dem
heutigen Nordstrand reichte. Die Harde bildete einen eigenen Verwaltungsbezirk
mit eigen Ratsleuten, die Recht sprachen sowie einer eigen Organisation
für die Deichsicherheit. Es lebten mehrere 1000 Leute im Bereich
der Pellworm-Harde, die sich überwiegend von der Landwirtschaft
ernährten. Die Landschaft war in den Zeiten der Deichruhe ziemlich
reich, wobei es natürlich große soziale Gefälle
gab. Leibeigenschaft hat es aber nicht gegeben. Statt der im Osten
üblichen Gutswirtschaft existierten hier freie Bauern. Das
Recht auf politisches Mandat im Rahmen der Selbstverwaltung war
abhängig vom Grundbesitz. Das Bildungsniveau der Oberschicht
war hoch, zur Zeit der Reformation lassen sich eine Reihe von Pellwormer
Bauernsöhnen auf den europäischen Universitäten nachweisen.
Auch der Handel mit den Überschüssen der Insel blühte.
Eine gesicherte und rosige Zukunft tat sich vor den Pellwormern
und den meisten ihrer Nachbarn auf.
Koog um Koog gewonnen:
Pellworm
In der Nacht vom 11. auf den 12. Oktober 1634 ging
die alte Insel Strand bei einer verheerenden Sturmflut unter. Schon
die Jahre vor dieser Flut hatten die Bevölkerung der Insel
schwer belastet. 1603/04 hatte die Pest gewütet, die Auswirkungen
des Dreißigjährigen Krieges hatten zu hohen Abgabenbelastungen
geführt, und häufige Deichbrüche seit Beginn des
17.Jahrhunderts machten aufwendige Reparaturen erforderlich.
Ursprünglich gehörten die Marschgebiete der Uthlande zu
den reichsten und fruchtbarsten Schleswig-Holsteins. Die Landwirtschaft
bot in ruhigen Zeiten so reichen Ertrag, dass die hier lebenden
Menschen nicht nur eine rege Kultur und Bildung pflegten, sondern
auch ein hohes Maß an Selbstverwaltung verwirklichen konnten.
Zwar hatten die Gottorfer Herzöge als zuständige Landesherren
Oberbeamte eingesetzt (Staller und Landschreiber), aber die Ratsleute
und die sogenannten Gevollmächtigten, die Deichgrafen und Deichrichter
sowie die Hauptleute, die nicht nur im militärischen Bereich,
sondern auch im Deichbau Funktionen erfüllten, stammten aus
den reicheren und ,,ratsfähigen" Familien des Strandes.
Dahinter stand große wirtschaftliche Macht, und so konnten
die Privilegien bei jedem Thronwechsel verteidigt werden.
Die Flut von 1634 riss 44 Löcher in die Deiche. Die Pelliworm-Harde,
einer der drei Verwaltungsbezirke der Insel, war ähnlich hart
betroffen wie die anderen Harden. Sie hatte neben dem Kirchspiel
der Alten Kirche St. Salvator und dem der Neuen Kirche St. Crucis
noch die Orte Balum, Buphever, Langeland und Teile von Illgroff
sowie die Halligen Hooge und Südfall umfasst und maß
knapp 5000 der über 20 000 Hektar der Gesamtinsel. Außer
Teilbereichen des Alten und des Neuen Kirchspiels, die fortan die
Insel Pellworm bildeten, gingen alle Flächen der Harde endgü1tig
verloren. In den beiden erhaltenen Kirchspielen waren 191 von 254
Häusern zerstört, 1012 Menschen ertrunken und neben fast
allem Vieh auch die Erntevorräte verloren. Trotzdem gelang
es den Einwohnern, verstärkt durch den kapitalkräftigen
Niederländer Cornelius Jansen Allers, fast 1800 Hektar in den
folgenden zwei Jahren wiederzugewinnen. Bis 1687 wuchs die wiedergewonnene
Fläche auf fast 2800 Hektar an.
Von 1660 bis 1717 erlebte die Insel eine neue B1ütezeit. Während
die Bevölkerung infolge von Krankheiten stetig abnahm, führte
ein reger Zuzug in das reiche Gebiet zur Erhaltung der Wirtschaftskraft.
Der Haupterwerbszweig war eine mittelständische Landwirtschaft
mit Hofgrößen von fünf bis 50 Hektar, die neben
der Viehmast überwiegend im Getreideanbau bestand. Ab 1680
baute man auch Raps an, da für den Deichbau viel Stroh benötigt
wurde. Die Überschüsse wurden exportiert, zum Teil bis
in die Niederlande, Baumaterialien und viele Gegenstände des
Alltags importiert. Als Häfen dienten die Zufahrt zum Tammensiel
- der heutige Hafen - und bis zur Wiedergewinnung der südlichen
Köge (1673) auch das Tief am Tilli. Handwerk und Gewerbe waren
auf die Landwirtschaft ausgerichtet, unterlagen aber keinerlei Zunftzwängen.
Fischerei und Milchproduktion dienten nur dem Eigenbedarf, da wegen
der schlechten Verkehrsanbindung zum Festland keine auswärtigen
Abnehmer der leichtverderblichen Produkte bedient werden konnten.
Die reicheren Bauern wohnten in festen Langhäusern hohen Wohnniveaus
auf Einzelwarften, die ärmeren Menschen lebten in Reihensiedlungen
auf den Mitteldeichen. Wegen der Arbeitsspitzen während der
Deichbau- und -pflegephasen sowie in der Ernte- und Dreschzeit gab
es ine Reihe von Saisonarbeitern, die die Insel nur im Sommer aufsuchten.
Die Selbstverwaltung im Straf-, Zivil- und Deichrecht sowie im Bereich
der Armenpflege war nach Straffung und Reorganisation der alten
Strukturen beibehalten worden.
Die Weihnachtsflut vom 24. Dezember 1717 brachte einen
erheblichen Rückschlag. 38 Menschen kamen ums Leben, und die
Ernteverluste trafen die Landeigner so sehr, dass die Gesamtwirtschaft
das ganze 18.Jahrhundert über nicht mehr auf den Stand vor
der Weihnachtsflut gelangen konnte. Fast jedes Jahr brach das Wasser
wieder ein. Jeder Schaden, jeder Verlust riss neue Löcher.
Jetzt kamen auch Krankheiten infolge von schlechtem Trinkwasser
- nur gesammeltes Regenwasser war verfügbar - und vitaminarmer
Ernährung zum Tragen. Die Sterblichkeit lag in schlechten Jahren
zwei- bis dreimal so hoch wie die Geburtenrate. Deshalb überschritt
die Einwohnerzahl Pellworms trotz Neuansiedlung von Auswärtigen
nie die 2000-Einwohner-Marke. Der Zuzug verhinderte aber, dass sich
Folgen von Inzucht einstellten. Gleichzeitig führte er zum
Verlust der ursprünglich friesischen Sprache zugunsten des
Plattdeutschen.
1774 war endlich klar, dass das bisherige Deichrecht nicht mehr
genügte. Bis dahin war jedem Landeigner ein bestimmtes Deichstück
zugeordnet, das er pflegen musste (Deichpflicht). Dabei konnte der
Sachverstand professioneller Deichunternehmer nur in Ausnahmefällen
zum Zuge kommen, da jeder Deichpflichtige mit eigenem Material und
eigenen Leuten versuchte, seiner Aufgabe nachzukommen. Man führte
deshalb die Kommuniondeichung anstelle der bisherigen Privatdeichung
ein: Alle anfallenden Aufgaben wurden an Fachleute übergeben,
die Kosten auf den Grundbesitz umgelegt. Das erlaubte rationelles
Arbeiten, die Landbesitzer konnten die entstehenden Kosten teilweise
durch Auftragsarbeiten am Deich wieder hereinholen. Damit war ein
wesentlich höherer Stand der Deichsicherung zu gewährleisten.
Trotzdem mussten nach der Sturmflut von 1793 auf der gesamten Wetterseite
im Westen und Süden der Insel Gebiete aufgegeben und ausgedeicht
werden. Die wirtschaftliche Situation wurde immer angespannter.
Als im Jahre 1825 das Meer das letzte Mal über die Deiche stieg,
musste infolge der Kosten ein Drittel der Landeigner Konkurs anmelden.
Da sich keine Käufer fanden, übernahm der dänische
Staat die Ländereien und wurde so in großem Umfang in
die Deichpflicht eingebunden. Deshalb wählte man von Regierungsseite
auch Einfluss auf die Deichverwaltung nehmen und setzte 1830 einen
Ingenieur, den Kapitän Harm von Petersen, als Deichkommissar
ein. Dieser hatte weitgehende Befugnisse, was zu Streitigkeiten
mit dem gewählten Deichgrafen führte. Er setzte sich jedoch
durch und überzeugte auch die übergeordneten Stellen davon,
dass Pellworm nicht zur Hallig herabgestuft werden dürfe. Das
hätte bedeutet, den Deichschutz aufzugeben. Da Pellworm aber
Wellenbrecher für große Teile der Festlandsküste
sei, so die Argumentation, müsse der Gesamtstaat auch wesentliche
Aufgaben übernehmen. Petersen beschaffte Gelder der Regierung,
begann nach der Wiederherstellung der Deiche mit dem Bau von steinernen
Fußsicherungen und führte mit den Ländereien, die
durch Konkurse an die Krone gefallen waren, eine Flurbereinigung
durch. Aufgrund seiner Machtfülle konnte er wagemutige landwirtschaftliche
Unternehmer mit wirtschaftlich existenzfähigen arrondierten
Höfen ausstatten, die eine Erfüllung der Deichpflicht
ermöglichten. Die Kommuniondeichung wurde aufgehoben, da die
Kosten explodiert waren: Jeder versuchte als Unternehiner mehr aus
der Deichkasse zu holen, als er als Landeigner eingezahlt hatte.
Durch diese Maßnahmen entstand auf Pellworm wieder eine vermögende
landwirtschaftliche Grundbesitzerschicht, die fortan in der Lage
war, die Geschicke der Insel zu meistern. Gleichzeitig war der Staat
wegen der anerkannten überregionalen Bedeutung Pellworms auf
Dauer in die Deichsicherung eingebunden.
Die zweite Hälfte des 19.Jahrhunderts brachte wieder einen
Aufschwung. Zwar war Pellworm in starkem Maße von der Überseeauswanderung
betroffen, die Daheimgebliebenen fanden aber zumeist ihr Auskommen.
1938/39 wurde die Inselfläche durch die Eindeichung des Bupheverkoogs
vergrößert, die im Rahmen einer geplanten, aber nicht
verwirklichten Festlandsanbindung der Insel durch einen Sicherungsdamm
durchgeführt wurde. Die gewonnenen Ländereien wurden zur
Hälfte an Pellwormer, zur anderen Hälfte an ,,verdiente"
Parteigenossen der NSDAP vom Festland vergeben.
Die Nachkriegszeit brachte auch für Pellworm eine große
Zahl von Flüchtlingen. 2500 Menschen siedelten zeitweise zusätzlich
auf der Insel. Da sie aber nur begrenzt Arbeit fanden, wanderten
die meisten ab, sobald sich die Möglichkeit dazu ergab. So
entstanden Verbindungen nach Süddeutschland, wo viele dieser
,,Pellwormer auf Zeit" eine neue Heimat fanden. Heute leben
1200 Menschen auf der Insel.
Im Dezember 1965 erreichte endlich eine Trinkwasserleitung vom Festland
die Insel. Bei der Verteilung des Wassers wurden die meisten Häuser
auch mit Strom versorgt. Bis dahin waren noch weite Bereiche von
Regenwasserspeicherung und Petroleum abhängig gewesen. Dieser
Eintritt in die ,,moderne Zeit" erlaubte es auch, den Fremdenverkehr
auf Pellworm auszubauen. Seit 1865 gab es einn regelmäßigen
Dampfschiffsverkehr nach Husum, ab Anfang der 1960er Jahre nach
Nordstrand. Durch den Bau eines Anlegers in der Mündung des
Hafenpriels konnte die Verbindung seit 1993 weitgehend tideunabhängig
gestaltet werden. Damit verbesserten sich die Chancen des Fremdenverkehrs,
der vor wenigen Jahren die Landwirtschaft als Haupteinnahmequelle
überholt hat.