Fischerei

Einen Sonderbereich der Wirtschaft bildete die Fischerei im Wattenmeer. Die Insel war bäuerlich orientiert und deckte ihren Eiweißbedarf mit Fleisch, Eiern und Milchprodukten. Nur die Ärmeren waren auf billige Selbstver-sorgung angewiesen: Tagelöhnerfrauen zogen mit Schiebenetzen, den Glieps, ins Watt und fischten in den Prie-len nach Krabben. Männer jagten mit Aal- oder Buttgabeln nach den begehrten Fischen. Auch Angelschnüre und selbstgebaute Reusen kamen zum Einsatz. Überschüsse an guten Fangtagen wurden in der Nachbarschaft für wenig Geld weiterverkauft. Da Meeresfrüchte einen geringen sozialen Stellenwert hatten und als “Arme-Leute-Essen” galten, waren die erlösten Erlöse schmal. Deshalb kam keiner auf die Idee, die Fischerei zum Haupterwerb zu machen. Erst kurz vor 1900 begann ein zugewanderter Schuster mit dem gewerbsmäßigen Fischfang vom Boot aus. Von da an wuchs die Fischereiflotte bis in die fünfziger Jahre, wo sie ihren Höchststand mit 15 Kuttern erreichte. Man fing Krabben, Plattfische und zu bestimmten Zeiten Seemoos. Heute liegen nur noch vier Boote im Pellwormer Hafen.

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