Nordstrand

Nordstrand im Wandel der Zeit
Boy Erichsen, Nordstrand

Die Geschichte Nordfrieslands und somit auch die Geschichte Nordstrands ist in der Vergangenheit stark von Sturmfluten geprägt worden. Steigende Wasserstände und Absenkungen der Landoberfläche führten bei schweren Sturmfluten zu verheerenden Schäden.

1362 Die erste Manndränke, Untergang von Rungholt, Tausende von Toten
1479 Schwere Sturmflut, Menschenverluste unbekannt.
1532 Michaelisflut, 1.400 Menschen ertranken.
1570 Allerheiligenflut, einige tausend Menschen ertranken an der gesamten Küste.
1634 Die zweite Manndränke ist in den Annalen schon exakter erfasst. In der Nacht vom 11. auf den 12. Oktober fegte eine gewaltige Flut Altnordstrand von der Landkarte.

Von den ca. 9.000 Einwohnern ertranken 6.123, 50.000 Stück Vieh gingen verloren. 1.340 Häuser und 19 Kirchen wurden zerstört. Viele der Überlebenden verließen die zerschlagene Insel, weil sie nicht in der Lage waren, die Schäden an den Deichen und Häusern zu beheben. Nur den Einwohnern der Pellwormharde gelang es, ihr Land neu zu bedeichen, die heutige Insel Pellworm. Nordstrands blieb zwei Jahrzehnte der Flut ausgesetzt und hatte dadurch einen Aufwuchs von 20-30 cm fruchtbarer Erde, die die Insel heute zu einem reinen Getreideanbaugebiet machen.

Herzog Friedrich III. von Gottorf überließ in dem Oktroi von Mecheln vom 8. Juli 1652 vier Holländern, den späteren Hauptpartizipanten, das Land zur Neubedeichung mit allen Rechten. In diesem Vertrag kam das harte Deichgesetz der Strandinger: „Wer nich will dieken, de mutt wieken“, voll zum Tragen.

Die Bevölkerung wurde enteignet und entrechtet. Viele, die jahrelang auf ihren Warften ausgeharrt hatten, verließen nun aus Gram ihre Heimat.

Im Jahre 1654 begann man mit der Eindeichung des Friedrich-Kooges, dem heutigen Alten Koog (630 ha). Der erste Staller (vergleichbar heute mit dem Bürgermeister) Indervelden bewohnte den alten Stallerhof, der 1888 abbrannte und ähnlich wieder aufgebaut wurde. Schon im Jahre 1658 hatte man das östlich davon gelegene Land dem Meer entrissen. Es ist der heutige Osterkoog (550 ha groß). In diesem Koog ist das älteste Gebäude der Insel anzutreffen, der Hof von Jacobsen, seit 1660 unverändert. Mit der Bedeichung von Teilen der alten untergegangenen Trindermarsch begann man im Jahre 1663. Das Vorhaben konnte glücklich abgeschlossen werden, 750 ha Land konnten für einen Preis von ca. 60.000 Reichstalern sturmflutsicher gemacht werden. Für damalige Verhältnisse war es wegen der vielen Priele ein riskantes Unternehmen.

Infolge der Eindeichungen war die Anzahl der Partizipanten gestiegen und damit auch die Uneinigkeit gewachsen. Politische Wirren zogen neue Bedeichungspläne in die Länge. Erst 1691 bedeichte man den heutigen „Neuen Koog“ und hatte damit eine Gesamtfläche von ca. 2388 ha gewonnen. Durch eine erneute Überflutung der gesamten Insel 1717, in der fünf Menschen starben, musste man 50.000 Reichstaler aufwenden, um die Deiche zu reparieren. Der nächste und auch letzte Koog, der von den Holländern eingedeicht wurde, ist der Christians-Koog, in der Größe von 560 ha, fertig gestellt 1739. Dieser Koog hatte keinen Bestand. In der schweren Flut 1751 ging er verloren. Alle Partizipanten, die sich an den Kosten beteiligt hatten, gingen in Konkurs. Viele Nordstrander Familien kehrten vom Festland zurück und erwarben die holländischen Höfe.

Statt flämisch wurde jetzt wieder mehr plattdeutsch gesprochen. Die friesische Sprache war mit der Flut von 1634 praktisch ausgestorben. Im Jahre 1770/1771 erwarb der dänische Finanzier Desmercieres das Recht, den zerstörten Christians-Koog auf seine Kosten neu zu bedeichen. Er nannte diesen Koog (450 ha) nach seiner Ehefrau Elisabeth-Sophien-Koog. Bauern mit gutem Ruf konnten in diesem Koog siedeln und erhielten weitgehende Rechte. Sie bildeten eine eigene politische Gemeinde, die bis heute Bestand hat (45 Einwohner).

In vielen Jahren der Ruhe stabilisierte sich das Leben auf der Insel. Erst 1825 schlug der „Blanke Hans“ wieder zu. Die Schäden waren enorm. Menschenleben sind nur zwei zu beklagen, doch die Verluste an Vieh sowie die Schäden an Deichen und Gebäuden wurden auf 110.000 Taler geschätzt.

Im Laufe der nächsten Jahrzehnte landete es im Osten der Insel immer mehr auf, so dass man im Jahre 1866 den Morsum-Koog in einer Größe von 700 ha problemlos eindeichen konnte. Mit der Eindeichung des dahinter liegenden Pohnshalligkooges (650 ha) im Jahre 1925 ging vorerst die Besiedlungsgeschichte der Insel zu Ende. Von diesem Koog führte ab 1935 ein Autodamm zum Festland und veränderte damit den Inselcharakter von Nordstrand.

Die zunehmende Strömungsgeschwindigkeit der Flut im Wattengebiet, besonders in den Prielen, bereitete zunehmend Sorgen. Die Erosion nahm zu. Man entschloss sich, die Nordstrander Bucht, heute Beltringharder Koog, abzudeichen. Dadurch entlastete man die alten Deiche und hatte gleichzeitig eine Flutraumreduzierung erhalten. In diese Bucht flossen täglich ca. 100 Millionen Kubikmeter Wasser, das jetzt durch den neuen Deich verdrängt wurde. Die eingedeichte Fläche von 3340 ha wurde unter Naturschutz gestellt. Der Beltringharder Koog ist der größte in Nordfriesland je eingedeichte Koog.

Durch die Zuwanderung von Arbeitskräften aus den Niederlanden für den Deichbau kam auch der katholische Glauben auf die Insel. Man baute 1662 die kleine katholische Kirche (Dom) auf dem Süden, die fortan dem Bistum Utrecht unterstand. Der Utrechter Bischof Jansen spaltete sich und seine Gemeinde 1723 vom Papst ab. Infolgedessen gab es auch auf Nordstrand eine Aufteilung der Katholiken in Jansenisten (heute Altkatholiken) und Römischkatholiken. Die kleine Kirche wurde jansenistisch.

Die römisch-katholische Gemeinde konnte erst 1866, nicht weit davon entfernt, ein modernes Gotteshaus bauen. Seit 1863 gibt es auch eine katholische Konfessionsschule, die einzige in Schleswig-Holstein.

Nordstrand hat 2.400 Einwohner und umfasst eine Fläche von 4.900 ha, ohne Beltringharder Koog, die zum größten Teil landwirtschaftlich genutzt wird. Zu der Gemeinde gehört noch die kleine Hallig „Nordstrandischmoor“ mit 5 Häusern und 25 Einwohnern. Die kleine Halligschule hat momentan 5 Schüler.

Der Tourismus ist heute als Erwerbsquelle bedeutender als die Landwirtschaft. 1990 wurde die Insel zum Seeheilbad erklärt. Um den Zielvorgaben des Nationalparkamtes gerecht zu werden, bemüht man sich auch auf Nordstrand, den „Sanften Tourismus“ zu praktizieren.

In diesem Sinne herzlich willkommen!